 ihr Spiegelnächte des Mondes! Wie hat an eurem
Himmelsbogen mein Geist sich ausgedehnt! Da entnahm der Traum das irdische
Bewusstsein, und wieder erwachend war die Welt mir fremd. Im Herannahen der
Gewitter ahnte ich den Freund. Das Herz empfand ihn, der Atem strömte ihm zu,
freudig löste sich das gebundne Leben unter dem Kreuzen der Blitze und dem
Rollen der Donner.
    Die Gabe des Eros ist die einzige genialische Berührung, die den Genius
weckt; aber die andern, die den Genius in sich entbehren, nennen sie Wahnsinn.
Die Begabten aber entschwingen sich mit dem fern hintreffenden Pfeil dem Bogen
des Gottes, und ihre Lust und ihre Liebe hat ihr Ziel erreicht, wenn sie mit
solchem göttlichen Pfeil zu den Füßen des Geliebten niedersinkt. - Es halte
einen solchen Pfeil heilig und bewahre ihn im Busen als ein Kleinod, wer zu
seinen Füßen ihn findet, denn er ist ein Doppelgeschenk des Eros, da ein Leben,
im Schwung solchen Pfeiles, ihm geweihet verglüht. Und nun sage ich auch Dir:
achte mich als ein solches Geschenk, das Deiner Schönheit ein Gott geweihet
habe, denn mein Leben ist für Dich einem höheren versöhnt, dem irdischen
verglüht; und was ich Dir in diesem Leben noch sage, ist nur das Zeugnis, was
der zu Deinen Füßen erstreckte Pfeil Dir gibt.
    Was im Paradiese erquickender, der Himmelsbeseligung entsprechender sei: Ob
Freunde wieder finden und umgebende Fülle seliger Geister, oder allein die Ruhe
genießen, in welcher der Geist sich sammelt, in stiller Betrachtung schwebend
über dem, was Liebe in ihm erzeugt habe, das ist mir keine Frage; denn ich eile
unzerstreut an den einsamsten Ort, und dort das Anlitz in die betenden Hände
verbergend, küsse ich die Erscheinung dessen, was mein Herz bewegt.
    Ein König wandelte durch die Reihen des Volkes, und wie Ebbe und Flut es
erheischen, so trug die Woge der Gemeinheit ihn höher, aber ein Kind, vom Strahl
seiner Augen entzündet, ergriff den Saum seines Gewandes und begleitete ihn bis
zu den Stufen des Trones, dort aber drängte das berauschte Volk den
unschuldigen, ungenannten, unberatnen Knaben zurück hinter der Philister
aufgepflanzte Fahnenreihe. - Jetzt harret er auf die einsame Stätte des Grabes,
da wird er die Mauern um den Opferaltar hochbauen, dass kein Wind die Flamme
verlösche, während sie, der Asche des Geliebten zu Ehren, die dargebrachten
Blumen in Asche verwandelt. Aber Natur! Bist du es, die den Aufgelösten
verbirgt? - Nein! nein! Denn die Töne, die der Leier entschweben, sind dem
Lichte erzeugt und der Erde entnommen, und wie das Lied, entschwebt auch der
geliebte Geist in die Freiheit höherer Regionen, und je unermesslicher die Höhe,
je
