, denn für diesmal haben sie meine Sinne begraben und mein Herz
verhüllt.«
    Diese zukünftige Zeit, o Freund! schwebt über mir hin gleich den Winden der
Wüste, die so manches Dasein mit leichtem Flugsand verscharren, und es wird mich
keine Stimme wieder erwecken, außer der Deinen, - und das bleibt wohl auch nur
ein Traum? -
    Damals betete ich oft um das einzige, dass ich Deinen letzten Atemzug küssen
dürfe, denn ich wollte gern Deine auffliegende Seele mit meinen Lippen berühren;
ja Goethe! - Zeiten, die ihr vorüber seid, wendet euch am fernen Horizont noch
einmal nach mir her, ihr tragt das Bild meiner Jugendzeit in dichte Schleier
gehüllt.
    Nein! Du kannst doch nicht sein, was Du jetzt bist: hart und kalt wie Stein!
- Sei es immer für diese Welt, für diese verrinnende Zeiten, aber dort, wo die
Gewölke sich in triumphierenden Fahnen aufrollen, unter denen Deine Lieder zu
dem Thron aufsteigen, wo Du ihr Schöpfer, und Schöpfer Deiner Welt, ruhest,
nachdem Du das Werk Deiner Tage geschaffen, zum Leben geschaffen; da lass mich
mit Dir sein um meiner Liebe willen, die mir von geschäftigen Geistern jener
höheren Welt zugetragen ward, wie der Honig dem wilden Fruchtbaum in den hohlen
Stamm von tausend geschäftigen Bienen eingeimpft wird, der dann, ob auch nicht
aus sich selber, dennoch einen köstlicheren Schatz in sich bewahrt als der Baum,
der edle Früchte trägt. Ja, lass das wilde Reis seine Wurzeln mit den Deinen
verstricken, verzehre es, wenn Du es nicht dulden magst.
    Jawohl! Ich bin zu heftig, siehe da, der Damm ist verschüttet, welchen
Gewohnheit baut, und Ungewohntes überströmt Herz und Papier. Ja ungewohnte
Tränen, ihr überströmt mein Gesicht, das heute die Sonne sucht und vor Tränen
nicht sieht, und auch nicht, weil sie mir heute nicht scheinen will.
                                                                Den 23. November
Alle Blumen, die noch im Garten stehen, einsammeln, Rosen und frische Trauben
noch in der späten Jahreszeit zusammenbringen, ist kein unsittlich Geschäft und
verdient nicht den Zorn dessen, dem sie angeboten sind. Warum soll ich mich
fürchten vor Dir? - Dass Du mich zurückgestoßen hast mit der Hand, die ich küssen
wollte, das ist schon lange her, und heut bist Du anders gesinnt. - Dem Becher,
aus dem Du heute getrunken, sei dieser Strauss in den Kelch gepflanzt, er
übernachte diese letzte Blumen, er sei ein Grab diesen Blumen, morgen wirf den
Strauss weg und fülle den Becher nach Gewohnheit. - So hast Du mir's auch
gemacht, Du hast mich weggeworfen aus dem Gefäß, das Du an die Lippen zu setzen
gewohnt bist.
                                                                         Den 24
