 ich mit Dir zusammen, aber zeige sie
auch niemanden, halt's verborgen wie eine geheime Schönheit, meine Liebe steht
Dir schön, Du bist schön, weil Du Dich geliebt fühlst.
                                                                       Am Morgen
Über Nacht blüht oft ein Glück empor wie die türkische Bohne, die, am Abend
gepflanzt, bis zum Morgen hinaufwuchs und sich in die Mondsichel einrankte; aber
beim ersten Sonnenstrahl verwelkt alles bis zur Wurzel, so hat sich heute nacht
mein Traum blühend zu Dir hinaufgerankt, und eben war's am schönsten, Du
nanntest mich »Dein alles«, da dämmerte der Morgen, und der schöne Traum war
verwelkt wie die türkische Bohne, an der man nachts so bequem das Mondland
erstieg.
    Ach schreibe mir bald, ich bin unruhig über alles, was ich gewagt habe in
diesem Brief, ich schließe ihn, um einen neuen anzufangen, ich könnte zwar
zurückhalten, was ich Dir über die Wahlverwandtschaften sagte, aber wär es
recht, dem Freund zu verschweigen, was im Labyrinth der Brust wandelt in der
Nacht? -
                                                                         Bettine
 
                                   An Goethe
                                                            Am 13. Dezember 1809
Ach, ich will dem Götzendienst abschwören! Von Dir spreche ich nicht; denn
welcher Prophet sagt, dass Du kein Gott seist? - Ich spreche von Grossem und
Kleinem, was die Seele irrt. O wüsstest Du, was Dir zum Heile dient jetzt in den
Tagen Deiner Heimsuchung? Lukas XIX.
    Ich hätte Dir vieles zu sagen, aber in meinem Herzen zuckt es, und
schmerzliche Gedanken türmen sich übereinander.
    Der Friede bestätigt sich. Im Augenblick der glorreichsten Siege, wo die
Energie dieses Volkes seinen Gipfel erreichte, mahnt Österreich, die Waffen
niederzulegen; was hat es für ein Recht dazu? - Hat es nicht lange schon
tückisch furchtsam seine Sache von der der Tiroler getrennt? - Da stehen die
gekrönten Häupter um diesen Edelstein Tirol, sie schielen ihn an und sind alle
von seinem reinen Feuer geblendet; aber sie werfen ein Leichentuch darüber hin:
ihre abgefeimte Politik! Und nun entscheiden sie kaltblütig über sein Los. Wollt
ich sagen, welche tiefe Wunden mir die Geschichte dieses Jahres geschlagen, wer
würde mich bemitleiden? - Ach und wer bin ich, dass ich meine Anklage, meinen
Fluch dürfte verlauten lassen? - Jeder hat das Recht, sich den höchsten
Geschicken zu vermählen, dem es so rast im Herzen wie mir, ach ich hab auch zu
nichts mehr Lust und Vertrauen; der kalte Winterwind, der heute stürmt, mit dem
bin ich nicht im Widerspruch, der belügt mich doch nicht. Vor sechs Wochen waren
noch schöne Tage, wir machten eine Reise ins Gebirg. Wie wir uns dem Kettenwerk
der felsigen Alpen näherten, das hat mächtig in mir gearbeitet, die
