, so juckt einem die Haut, man möchte
wieder nass sein.« Ich muss mich besinnen, wie ich Ihr das wunderliche Erdloch
beschreibe, wo unter dunklen gewaltigen Eichen die Glut hervorleuchtet, wo an
den Bergwänden hinan einzelne Hütten hängen und wo im Dunkel die einzelnen
Lichter herüberleuchten und der lange Abend durch eine ferne Schalmei, die immer
dasselbe Stückchen hören lässt, recht an den Tag gibt, dass die Einsamkeit hier zu
Haus ist, die durch keine Geselligkeit unterbrochen wird. Warum ist denn der Ton
einer einsamen Hausflöte, die so vor sich hinbläst, so melancholisch langweilig,
dass einem das Herz zerspringen möcht vor Grimm, dass man nicht weiß, wo aus noch
ein; ach wie gern möcht man da das Erdenkleid abstreifen und hochfliegen weit in
die Lüfte; ja, so eine Schwalbe in den Lüften, die mit ihren Flügeln wie mit
einem scharfen Bogen den Äther durchschneidet, die hebt sich weit über die
Sklavenkette der Gedanken, ins Unendliche, das der Gedanke nicht fasst. -
    Wir wurden in gewaltig große Betten logiert, ich und der Bruder Franz, ich
hab viel mit ihm gescherzt und geplaudert, er ist mein liebster Bruder. Am
Morgen sagte er ganz mystisch: »Geb einmal acht, der Herr vom Eisenhammer hat
ein Hochgericht im Ohr«; ich konnt's nicht erraten; wie sich aber Gelegenheit
ergab ins Ohr zu sehen, da entdeckt ich's gleich, eine Spinne hatte ihr Netz ins
Ohr aufgestellt, eine Fliege war drin gefangen und verzehrt, und ihre Reste
hingen noch im unverletzten Gewebe; daraus wollte der Franz das versteinerte
langweilige Leben recht deutlich erkennen, ich aber erkannte es auch am
Tintefass, das so pelzig war und so wenig Flüssiges enthielt. Das ist aber nur
die eine Hälfte dieses Lochs der Einsamkeit. Man sollt's nicht meinen, aber geht
man langsam in die Runde, so kommt man an eine Schlucht. Am Morgen, wie eben die
Sonne aufgegangen war, entdeckte ich sie, ich ging hindurch, da befand ich mich
plötzlich auf dem steilen höchsten Rand eines noch tieferen und weiteren
Talkessels, sein samtner Boden schmiegt sich sanft an die ebenmässigen Bergwände,
die es rund umgeben und ganz besäet sind mit Lämmer und Schafen; in der Mitte
steht das Schäferhaus und dabei die Mühle, die vom Bach, der mitten durchbraust,
getrieben wird. Die Gebäude sind hinter uralten himmelhohen Linden versteckt,
die grade jetzt blühen, und deren Duft zu mir heraufdampfte und zwischen deren
dichtem Laub der Rauch des Schornsteins sich durchdrängte. Der reine blaue
Himmel, der goldne Sonnenschein hatte das ganze Tal erfüllt. Ach lieber Gott,
säss ich hier und hütete die Schafe und wüsste, dass am Abend einer käm, der meiner
