 bin ich worden mit den dürren Geistern der Zeit, mit
Ungeheuern verschiedener Art, und wunderbar haben mich diese Besessenen in ihr
träumerisch Schicksal gezogen. Aber nicht hab ich erblickt wie bei Dir, da von
heiliger Leier mir frisches Grün entgegenglänzte, und nicht hört ich wie bei
Dir, dem unter den Füßen silbern der Pfad tönt, als der auf Straßen Apollos
wandelt. Da denk ich mit verschlossenen Augen, wie ich gewohnt war, mit Dir
lächelnd des Herzens Meinung zu wechseln, den eignen Geist in der Seele fühlend.
Deine Mutter sagte mir manchmal von vergangner Zeit, da wollt ich nicht zuhören
und hieß sie schweigen, weil ich grad eben mich in Deine Gegenwart träumte.
    Franz Bader, der nach seiner Glasfabrik in Böhmen gereist ist, hat mir beim
Abschied beigepackte Abhandlungen für Dich gegeben und mich zugleich gebeten,
Dich seiner innigsten Achtung zu versichern, er hat mir dabei mancherlei aus
seinem Leben erzählt, wie er in Schottland zum Beispiel gar gefahrvolle Reisen
gemacht, in einem winzigen Nachen, mit Deinem »Egmond«, im Meer zwischen Klippen
und Inseln hin und her geworfen, wie er mit den Meerkatzen fechten müssen, wie
Nacht und Sturm ihm alle Lebensgeister ausbliesen und er mitten in der Not nur
immer Deine Bücher zu retten gesucht. Siehst Du! so treibt's Dein Geist auf
allen Pfaden, zu Land wie zu Wasser, und er zieht von der Quelle an fort mit dem
Strom, bis wo er sich ergießt, und so ziehen mit die noch fremden Ufer, und die
blaue Ferne sinkt neigend zusammen vor Deiner Ankunft. Und es sehen die Wälder
Dir nach, und die vergoldende Sonne schmückt die Bergeshöhen zu Deinem Empfang;
es feiern aber im Mondglanz Dein Andenken die Silberpappel und die Tanne am Weg,
die Deiner Jugend reine Stimme gehört.
    Gestern erhielt ich Dein Bild, eine kleine Paste in Gips, aus Berlin, es
gleicht, was hilft's, ich muss nach Dir verlangen.
    Noch ein ägyptisches Ungeheuer ist mir hier auf Bayerns feuchtem Boden
begegnet, und nicht wundert mich, dass seine trockne sandige Natur hier verfault,
es ist Klotz, der von den Geistern der Farbe verfolgte und gepeinigte, endlich
ihrer Gewalt erliegend, sein fünfundzwanzigjähriges Werk endet. Ägyptisch nenne
ich ihn, weil erstens sein Antlitz, wie von glühenden Harzen geschmiedet,
zugleich eine ungeheure Pyramide darstellt, und zweitens, weil er in
fünfundzwanzig Jahren mit außerordentlicher Anstrengung sich nicht vom Platze
gearbeitet hat. Ich habe aus christlicher Milde (und zugleich um Dir, als
welcher nach Klotzens Aussage einer Entschuldigung bedürfte, Gerechtigkeit
widerfahren zu lassen) sein ganzes Manuskript angehört. Nun kann ich mich
freilich mit was ich von ihm erlernt, nicht breit machen, ich war mit Rätseln
