; der Franz jagt mich immer zuerst ins Bett, und ich bin auch so
müde, dass ich's kaum erwarten kann; ich werfe in Hast die Kleider ab und sinke
vor Müdigkeit in einen tiefen Brunnen, da umfängt mich das Waldrevier, durch das
wir am Tag geschritten waren, das Licht der Träume blitzt durch die dunklen
Wölbungen des Schlafs. - »Träume sind Schäume«, sagt man, ich hab eine andre
Bemerkung gemacht, ob die wahr ist? - Allemal die Gegend, die Umgebung, in der
ich mich im Traum fühle, die deutet auf die Stimmung, auf das Passive meines
Gemüts. So träum ich mich jetzt immer in Verborgenes, Heimliches; es sind Höhlen
von weichem Moos bei kühlen Wassern, verschränkt von blühenden Zweigen; es sind
dunkle Waldschluchten, wo uns gewiss kein Mensch findet und sucht. Da wart ich
auf Dich im Traum, ich harre und sehe mich um nach Dir; ich gehe auf engen,
verwachsenen Wegen hin und her und eile zurück, weil ich glaub, jetzt bist Du
da; dann bricht plötzlich der Wille durch, ich ringe in mir, Dich zu haben, und
das ist mein Erwachen. Dann färbt sich's schon im Osten, ich rücke mir den Tisch
ans Fenster, die Dämmerung verschleiert noch die ersten Zeilen; bis ich aber das
Blatt zu Ende geschrieben habe, scheint schon die Sonne. Ach, was schreib ich
Dir denn? - Ich hab selbst kein Urteil drüber, aber ich bin allemal neugierig,
was kommen wird. Lass andre ihre Schicksale bereichern durch schöne Wallfahrten
in's gelobte Land, lass sie ihr Journal schreiben von gelehrten und andern
Dingen, wenn sie Dir auch einen Elefantenfuss oder eine versteinerte Schneck
mitbringen, - darüber will ich schon Herr werden, wenn sie sich nur nicht in
ihren Träumen in Dich versenken wie ich. Lass mir die stille Nacht, nimm keine
Sorgen mit zu Bett, ruh aus in dem schönen Frieden, den ich Dir bereite, ich bin
ja auch so glücklich in Dir! Es ist freilich schön, wie Du sagst, sich in dem
Labyrinth geistiger Schätze mit dem Freund zu ergehen; aber darf ich nicht
bitten für das Kind, das stumm vor Liebe ist? Denn eigentlich ist dieses
geschriebene Geplauder nur eine Notilfe - die tiefste Liebe in mir ist stumm:
es ist, wie ein Mückchen summt um Deine Ohren im Schlaf, und wenn Du nicht wach
werden willst und meiner bewusst sein, dann wird Dich's stechen. - Sag, ist dies
Leidenschaft, was ich Dir hier vorbete? - O sag's doch; - wenn's wahr wäre, wenn
ich geboren wär, in Leidenschaft zu verflammen
