 Deinen Reisen, Landpartien, alten
und neuen Besitzungen; das lese ich nun so gern.
    Weimar, den 4, Mai 1808
 
                  Sonett, im Brief an Goethes Mutter eingelegt
Als kleines art'ges Kind nach Feld und Auen
Sprangst du mit mir so manchen Frühlingsmorgen.
»Für solch ein Töchterchen, mit holden Sorgen
Möcht ich als Vater segnend Häuser bauen!«
Und als du anfingst in die Welt zu schauen,
War deine Freude häusliches Besorgen.
»Solch eine Schwester! und ich wär geborgen:
Wie könnt ich ihr, ach! wie sie mir vertrauen!«
Nun kann den schönen Wachstum nichts beschränken;
Ich fühl im Herzen heißes Liebestoben,
Umfass ich sie, die Schmerzen zu beschwichtgen?
Doch ach! Nun muss ich dich als Fürstin denken:
Du stehst so schroff vor mir emporgehoben;
Ich beuge mich vor deinem Blick, dem flüchtgen.
 
                                   An Goethe
Ist es Dir eine Freude, mich in tiefer Verwirrung beschämt zu Deinen Füßen zu
sehen, so sehe jetzt auf mich herab; so geht's der armen Schäfermaid, der der
König die Krone aufsetzt; wenn ihr Herz auch stolz ist, ihn zu lieben, so ist
die Krone doch zu schwer; ihr Köpfchen schwankt unter der Last, und noch
obendrein ist sie trunken von der Ehre, von den Huldigungen, die der Geliebte
ihr schenkt.
    Ach, ich werde mich hüten, ferner zu klagen oder um schön Wetter zu beten,
kann ich doch den blendenden Sonnenstrahl nicht vertragen. Nein, lieber im
Dunkel seufzen, still verschwiegen, als von Deiner Muse ans helle Tageslicht
geführt, beschämt, bekränzt; das sprengt mir das Herz. Ach, betrachte mich nicht
so lange, nimm mir die Krone ab, verschränke Deine Arme um mich an Deinem Herzen
und lehre mich vergessen über Dir selber, dass Du mich verklärt mir
wiederschenkst.
                                                                         Bettine
 
                                   An Goethe
                                                                      Am 20. Mai
Schon acht Tage bin ich in der lieblichsten Gegend des Rheins, und konnte vor
Faulheit, die mir die liebe Sonne einbrennt, keinen Augenblick finden, Deinem
freundlichen Brief eine Antwort zu geben. - Wie lässt sich da auch schreiben! Die
Allmacht Gottes schaut mir zu jedem Fenster herein und neigt sich anmutig vor
meinem begeisterten Blick.
    dabei bin ich noch mit einem wunderbaren Hellsehen begabt, was mir die
Gedanken einnimmt. Seh ich einen Wald, so wird mein Geist auch alle Hasen und
Hirsche gewahr, die drin herumspringen; und hör ich die Nachtigall, so weiß ich
gleich, was der kalte Mond an ihr verschuldet hat.
    Gestern Abend ging ich noch spät an den Rhein; ich wagte mich auf einen
schmalen Damm, der mitten in den Fluss führt, an dessen Spitze von Wellen
umbrauste Felsklippen hervorragen; ich erreichte
