 zu machen. Nun bitte ich aber noch um die Judenstädtigkeit
selbst, damit ich ja nicht zu bitten und zu verlangen aufhöre.
    Was Du mir von Molitor zu sagen gedenkst, wird mir Freude machen; auch durch
das letzte, was Du von ihm schickst, wird er mir merkwürdig, besonders durch
das, was er von der Pestalozzischen Methode sagt.
    Lebe recht wohl! Hab tausend Dank für die gute Aufnahme des Sohns und bleibe
dem Vater günstig.
                                                                              G.
 
                                   An Goethe
Die Städtigkeits- und Schutzordnung der Judenschaft wird hierbei von einer edlen
Erscheinung begleitet; nicht allein, um Dir eine Freude zu machen, sondern weil
dies Bild mir lieb ist, hab ich's von der Wand an meinem Bett genommen, an dem
es seit drei Tagen hing, und seine Schönheit dem Postwagen anvertraut; Du sollst
nur sehen, was mich reizen kann. Häng dies Bild vor Dich, - schau ihm in diese
schönen Augen, - in denen der Wahnsinn seiner Jugend schon überwunden liegt,
dann fällt es Dir gewiss auf, was Sehnsucht erregt. - Dies Unwiederbringliche,
was nicht lang das Tagslicht verträgt und schnell entschwindet, weil es zu
herrlich ist für den Missbrauch. - Diesem aber ist es nicht entschwunden, es ist
ihm nur tiefer in die Seele gesunken; denn zwischen seinen Lippen haucht sich
schon wieder aus, was sich im erhellten Aug nicht mehr darf sehen lassen. - Wenn
man das ganze Gesicht anblickt: - man hat's so lieb - man möcht mit ihm gewesen
sein, um alle Pein mit ihm zu dulden, um alles ihm zu vergüten durch
tausendfache Liebe, - und wenn man den breiten vollen Lorbeer erblickt, scheinen
alle Wünsche für ihn erfüllt. Sein ganzes Wesen, - das Buch, was er an sich
hält, macht ihn so lieb; hätt ich damals gelebt, ich hätt ihn nicht verlassen.
    August ist weg; ich sang ihm vor: »Sind's nicht diese, sind's doch andre,
die da weinen, wenn ich wandre, holder Schatz, gedenk an mich.« Und so wanderte
er zu den Pforten unseres republikanischen Hauses hinaus; hab ihn auch von
Herzen umarmt, zur Erinnerung für mich an Dich; weil Du mich aber vergessen zu
haben scheinst und mir nur immer von dem Volk schreibst, welches verflucht ist,
und es Dir lieb ist, wenn Jacobson heimgeschickt wird, aber nicht, wenn ich
heimlich mit Dir bin, so schreib ich's zur Erinnerung für Dich an mich, die Dich
trotz Deiner Kälte doch immer liebhaben muss - halt, weil sie muss.
    Dem Primas hüte ich mich wohl, Deine Ansichten über die Juden mitzuteilen,
denn einmal geb ich Dir nicht recht,
