 und sagte: »Freilich, das ist christlich gesprochen, der
alte Adam, der uns in den Nacken schlägt.« »Und doch wie natürlich,« rief der
Fürst, »was der Mensch liebt, verehrt, das stellt er so hoch, wie er es vermag,
dem wirft er den Purpurmantel um, er legt ihm gleichsam die süßesten
Schmeicheleien in Ton und Farbe zu Füßen, und liebkost ihm mit den zärtlichsten,
schönsten Lauten seiner Sprache; liegt darin eine Verwirrung?« »Doch wohl,« nahm
Gottold das Wort, »denn der Mensch zieht, obwohl unbewusst, das Hohe herab und
stellt sein Ich in kecker Vertraulichkeit nebenan. Hier scheidet sich Heidentum
vom Christentum, oder noch strenger, Protestantismus und Katholizismus.« Der
Fürst: »Wir Protestanten sollten also eigentlich gar keine Bilder vom Höchsten
haben?« Gottold: »Eigentlich nicht, denn wir sollen ihn anbeten im Geist und in
der Wahrheit.« Der Fürst: »Das verstehe ich nicht; heißt das nicht eben so viel
als: der unendliche, prachtvolle Himmel mit seinen zahllosen Sternen breitet
sich vor uns aus, der menschliche Geist erschrickt vor der Größe, um sie zu
fassen, um den Himmel menschlich zu umgrenzen, fasst er die Sterne in einzelne
Bilder zusammen; nun weiß er sich zu finden, jetzt hat er gleichsam den Himmel
gewonnen, da kommt eine Hand und raubt ihm die Bilder, und lässt ihm den
bilderlosen, unverständlichen Himmel und gebietet ihm, an den fernen, zu fernen
Stern zu glauben.« Gottold: »Nicht unrichtig, das Licht des Sternes ist das
Symbol des Unauffassbaren, Unbegreiflichen.« Der Fürst: »Wie kalt, wie streng!«
Gottold: »Doch soll die Malerei es immer wagen, in Demut und Selbsterkenntnis
nach einem sichtbaren Bilde des Ewigen zu streben, da er auftrat in sichtbarer
Gestalt unter uns. Hemling, Schoreel, Van Eyck, auch Dürer sind Christusmaler,
und Bilder, wie sie sie gemalt, befahl Luther in unsern Kirchen Aufzuhängen.«
Der Graf und der Fürst drehten sich unwillig weg, und Gottold sagte eifriger:
»Auch wir haben eine Schönheit, doch sie ist nicht jene falsche, gleisnerische,
die Kupplerin des Lasters, die Schmeichlerin der Welt, sondern eine ernste,
große, durch Schmerzen verherrlichte. Die Magdalena des Koreggio fährt fort zu
verführen, indes sie bekehren sollte.« »O diese rührende Gestalt,« sagte der
Fürst lebhaft, »dieses süße bleiche Antlitz, über das die herbe Träne rollt,
dieser schöne Busen, in dem ein Herz schlägt, das im bitteren Schmerze mit sich
selbst und seiner Fülle im Kampfe ist! Das vornehme und glänzend erzogene
Mädchen irrt barfuß im Walde
