 schweren, langsamen Flugs
fern und immer ferner in die Landschaft hinein. Jetzt flog ein schöner,
geflügelter Knabe auf die Bühne, er trug eine Lyra im Arm, und senkte sich wie
im jauchzenden Entzücken der Jugend tief in die roten Blumen und schwankenden
Rosenkelche hinein; dann begann er ein wunderlich feuriges Lied, das eine
abenteuerliche, aber liebliche Sage behandelte: es war die Geschichte der
Liebe. - »Gott liebte einst, liebte menschlich, liebte ein Weib, aber ein
Götterweib, wie er ein Gott. Ihr Lächeln schuf den ersten Frühlingskeim und nach
ihren Träumen bildete Gott die Blumen; sie aber liebte einen Raum im flutenden
Meere der Schöpfung besonders und bat einst den Ewigen: Schaffe mir hierher ein
Gestirn und schenke es mir, hier muss es köstlich sein zu wohnen, mild flammt das
Licht des nächsten Firsterns herüber und süß fließt der Strom der Lüfte dahin.
Sie hatte den Wunsch kaum ausgesprochen, als in dem Momente die neugeschasfene
Erde ihre Bahn dahinrollte - die kleine Erde, und der höchste Geist sprach mit
Lächeln: da ist sie! nimm sie, schasse sie zu einem Paradiese um, sie sei dein
Brautgeschenk, schalte mit ihr, wie es deiner Laune gefällt. Da sah die
Gottgeliebte auf die kleine Erde mit rührender Freundlichkeit nieder, und dachte
über Pläne nach, wie sie sie am zierlichsten schmücken solle. Endlich schuf sie
ein sonderbares Wesen mit einem Barte, einem krausen Lockenkopf und in der Brust
mit einem rotenklopfenden Herzen, und ihm zur Seite, nach ihrem eigenen Bilde,
ein süßes kränkliches Püppchen, voll Sehnsucht und Tränen und voll Lächeln und
Narrenspossen. Diese Beiden, sagte sie, sollen sich nun gegenseitig freuen und
betrüben, beides bis zum Tode; es soll eines die Lippen des andern suchen und
nicht wissen, was es tun will, und so entstehe der erste Kuss; sie sollen viel
tolles, einfältiges Zeug sprechen und über die albernsten Dinge zusammen weinen;
sie sollen in den Mond blicken und lachen und weinen, und weinen und lachen
durcheinander. Er soll fluchen und zürnen, wenn sie geht, sie aber soll tanzen,
wenn er sich ärgerlich fortschleicht, lachen, wenn er weint, innerlich aber
ersticken wollen an zurückgehaltenen Tränen, und all der neckende Unmut, das
weinende Entzücken der Liebe soll bei ihnen wohnen und Hütten bauen in ihren
Herzen. - Sie sprach es, und die ersten Menschenherzen fingen ihr unruhiges
Geklopfe an. Ein schöner Garten war erbaut, mit düstern heimlichen Gängen, wie
der quälende Dämon der Liebe es verlangt, und die Gottgeliebte freute sich der
Genüsse und Qualen ihrer lieben Puppen. Aber ach, sie selbst musste untergehen,
ihre Natur war zu schön, um ewig zu sein, sie starb am Geruch
