 auch mit mir geschickt,
    Seist du zu guter Letzte doch geschmückt!
    Ach, mit dem Schönsten, was Tereile hat,
    Bekränzet sie der Liebe Leichenstatt:
    Ihr süßen Haargeflechte, glänzend reich,
    Mit dieser Schärfe langsam lös ich euch
    Umwickelt sanft die Wunde dort am Stamm!
    Noch quillt die Sehnsucht nach dem Bräutigam.
    Mit euch verwese Liebeslust und Leiden
    Auf solche will ich keine neuen Freuden!
    Und du, verwünschtes, mördrisches Geschoss,
    Um das die Träne schon zu häufig floss,
    Mein Liebling hat dich wohl zuletzt berührt,
    So nimm den Kuss, ach, der dir nicht gebührt!
    Und nun, ihr kleinen Schwestern, macht ein Grab,
    Und berget Stamm und Zweige tief hinab.
    Seid ohne Furcht, und wenn ich sonsten gar
    Zu hart und ungestüm und mürrisch war -
    Von heute an, geliebte Kinder mein,
    Wird euch Tereile hold und freundlich sein.
                                      Ab.
 
                                Vierzehnte Szene
                                    Morgen.
               Mummelsee. König steht auf einem Felsen überem See.
KÖNIG.
»Ein Mensch lebt seiner Jahre Zahl,
Ulmon allein wird sehen
Den Sommer kommen und gehen
Zehnhundertmal.
Einst eine schwarze Weide blüht,
Ein Kindlein muss sie fällen,
Dann rauschen die Todeswellen,
Drin Ulmons Herz verglüht.
Auf Weilas Mondenstrahl
Sich Ulmon soll erheben,
Sein Götterleib dann schweben
Zum blauen Saal.«
    So kam es und so wird es kommen. Rasch
    Vollendet sich der Götter Wille nun.
    Noch einmal tiefaufatmend in der Luft,
    Die mich so lang genährt, ruf ich mein Letztes
    Der Erde zu, der Sonne und euch Wassern,
    Die ihr dies Land umgebet und erfüllt.
    Doch du, verschwiegner See, empfängst den Leib,
    Und wie du grundlos, unterirdisch, dich
    Dem weiten Meer verbindest, so wirst du
    Mich flutend führen ins Unendliche,
    Mein Geist wird bei den Göttern sein; ich darf
    Mit Weila teilen bald das ros'ge Licht.
    Gehab dich wohl, du wunderbare Insel!
    Von diesem Tage lieb ich dich; so lass
    Mich kindlich deinen Boden küssen; zwar
    Kenn ich dich wenig als mein Vaterland,
    So stumpf, so blind gemacht durch lange Jahre
    Kenn ich nicht meine Wiege mehr; gleichviel,
    Du warst zum wenigsten Stiefmutter mir,
    Ich bin dein treustes Kind - Leb wohl, Orplid!
    Wie wird mir frei und leicht! wie gleitet mir
    Die alte Last der Jahre von dem Rücken!
    O Zeit, blutsaugendes Gespenst!
    Hast du mich endlich satt? so ekelsatt
    Wie ich dich habe? Ist es möglich? ist
    Das Ende nun vorhanden? Freudeschauer
    Zuckt durch die Brust! Und soll ich's fassen das?
    Und schwindelt nicht das Auge meines Geistes
    Noch stets hinunter in den jähen Trichter
    Der Zeit? - Zeit, was heißt dieses Wort?
    Ein hohles Wort
