
    Denn oft konnt ich gewahren, dass sein Geist
    Und Körper auf verschiedner Fährte gehen.
        O wunderbar! mich jammert sein Geschick,
    Denk ich daran, was doch kaum glaublich scheint,
    Dass die Natur in einem Sterblichen
    Sich um Jahrhunderte selbst überlebt -
    Wie? tausend Jahre? - tausend - ja nun wird mir
    Zum ersten Male plötzlich angst und enge,
    Als müsst ich's zählen auf der Stell, durchleben
    In einem Atemzug - Hinweg! man wird zum Narren!
        Hm, tausend Jahr; ein König einst! - o eine Zeit
    So langsam, als man sagt, dass Steine wachsen.
    Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft -
    Gäb es für die Vernunft ein drittes noch,
    So müsst er dort verweilen in Gedanken.
        Sind's aber einmal tausend, ja, so können
    Unzählige noch kommen; sagt man nicht
    Dass auch ein Ball, geworfen über die Grenze
    Der Luft, bis wo der Erde Atem nicht mehr hinreicht,
    Nicht wieder rückwärts fallen könne, nein
    Er müsse kreisen, ewig, wie ein Stern.
    So, fürcht ich, ist es hier.
        Auch spricht man von der Inselgöttin Weila,
    Dass sie ein Blümlein liebgewann von seltener
    Und nie gesehner Art, ein einzig Wunder,
    Dies schloss die Göttin in das klare Wasser
    Des härtsten Diamants ein, dass es daure
    Mit Farben und Gestalt; wahrhaftig nein,
    Ich möchte so geliebt nicht sein von Weila,
    Doch diesem König hat sie's angetan.
        Oft ahnte mir, er selber sei ein Gott,
    So anmutsvoll ist sein verfinstert Antlitz;
    Das ist sein größtes Unglück, darum ward,
    Wie ich wohl deutlich merke, eine Fee
    Von heißer Liebe gegen ihn entzündet,
    Und er kann ihrem Dienste nicht entgehn,
    Sie hat die Macht schon über ihn, dass er,
    Sooft sich ihr Gedanke nach ihm sehnt,
    Tag oder Nacht, und aus der fernsten Gegend,
    Nach ihrem Wohnsitz plötzlich eilen muss.
    Wenn dieser Ruf an ihn ergeht, so reißt
    Der Faden seines jetzigen Gedankens
    Auf einmal voneinander, ganz verändert
    Erscheint sein Wesen, hellres Licht durchwittert
    Des Geistes Nacht, der längst verschüttete Brunn
    Der rauen und gedämpften Rede klingt
    Mit einmal hell und sanft, sogar die Miene
    Scheint jugendlicher, doch auch schmerzlicher:
    Denn greulich ist verhasster Liebe Qual.
        Drum sinnt er sicherlich in schwerem Gram,
    Wie er sich ledig mache dieser Pein;
    Dahin auch deut ich jene Worte mir,
    Die er einst fallenlassen gegen mich:
    »Willst du mir dienstbar sein, so gehe hin
    Zur Stadt, dort liegt in einem unerforschten Winkel
    Ein längst verloren Buch von seltener Schrill,
    Das ist geschrieben auf die breiten Blätter
    Der Tranuspflanze, so man göttlich nennt,
    Das suche du ohn Unterlass, und bring es.«
    Drauf
