 Leontin, und übernimmt es,
Ihnen dies Briefchen zuzustellen.
 
                                 Hugo an Elise
Sie schelten mich. Sie sind unzufrieden mit mir. Hier lobt man mich. Emma's Auge
strahlt vor Freude, sie sieht mit einer Art Triumph von mir zu ihrer Mutter hin.
    Wer von Beiden kennt mich nun am besten?
    O lassen Sie diese Frage unbeantwortet! Es hängen an der einen, unzählige
andere, die, einmal ausgesprochen, Herz und Seele mit herausreissen, dem Leben
ein Ende machen, oder es anders gestalten müssten!
    Ich komme nicht zu Ihnen, Elise. Auch nicht auf Ihr dringendes Gebot.
Urteilen Sie danach, wie unmöglich es mir sein muss. Unmöglich! ja ja! Belachen
Sie den Ausdruck nicht. Ich spreche nicht in Rätseln. Noch ein einziger, kurzer
Schritt, und die Flut treibt mich, wohin ich nicht will, wohin kein Auge
reicht, was kein Maß, keine Gränze kennt. Elise, hörten Sie nie - Gott nein! -
Der bodenlose Abgrund verworrener Begriffe liegt tief, tief unter der Region, in
der Sie atmen. Genug, ich komme nicht. Ich schreibe Ihnen. Endlich ist Ruhe um
mich. Sie schlafen, die mich müde hetzten, und mir nicht einmal den Schlaf
lassen können. Sie haben ihn mir schon lange, lange geraubt!
    Es ist tiefe Nacht. Sind wir endlich allein, Ganz allein, Elise? dunkle
Schatten liegen, wie Wächter, um die Freistatt der Gedanken. Sind wir auch hier
der Welt und ihren Gesetzen verfallen? Gibt es keine Ewigkeit in der Zeit, und
kann die Sehnsucht niemals, niemals den Kerker sprengen, der Geister von
Geistern trennt? Wie ertragen wir denn den Tod unserer Lieben? was schleichen
wir zu ihren Gräbern und rufen Bilder der Vergangenheit in die Gegenwart zurück?
Ist das stille Hinübergleiten von einer Welt in die andere nichts, als ein
suptileres Phantom der Einbildungskraft? Stoßen wir überall, auch in uns nur auf
Täuschungen, die den Drang des Innern mit Phantasmen hinhalten, wie Kinder in
einer gespielten, die erwartete Welt vorausleben?
    Sei es, ich träume denn also, und sehe Sie, und rede mit Ihnen im Traum.
    Was aber darf ich Ihnen sagen?
    Die Nacht verwirrt mich. Ich will den Morgen abwarten, der Brief soll
unvollendet bleiben.
    Er wird kein Ende finden! Wo soll ich aufhören? Vielleicht hätte ich besser
getan, niemals anzufangen. Jetzt! - Ja so, Sie wollten wissen, was ich von dem
Kaplan halte? Mein Gott! lassen Sie den guten Mann nur immer machen. Weder
dieser noch ein anderer, ich versichere Sie, erzieht den Menschen. Das sind
alles handwerksmässige Übungen. Lehrjahre hat ein Jeder. Das
