 Lenz ist angekommen!
 Ihr seht es an den Feldern,
 Ihr seht es an den Wäldern;
 Der Kukuk ruft, der Finke schlägt,
 Es jubelt, was sich froh bewegt:
 Der Lenz ist angekommen.
 Hier Blümlein auf der Heide,
 Dort Schäflein auf der Weide!
 Ach seht doch, wie sich alles freut,
 Es hat die Welt sich schön erneut:
 Der Lenz ist angekommen!
                                                         Altd. Lied aus der Sage
                                                                 vom Venusberge.
Es ist doch eine gar schöne, muntere und selige Zeit, wenn der Frühling wieder
herein kommt ins Land, der gar nicht unedel von den Dichtern einem Bräutigam
verglichen wird, welcher seine Braut zu schmücken und zu umfangen naht, im Glanz
und Prunk des Hochzeittages. Ein Fürst der Erde könnte er nicht minder genannt
werden, denn tausend leichtbeschwingte und buntgefiederte Herolde ziehen vor ihm
her, seine Ankunft verkündend; himmelblau und golden ist sein Kleid, an das sich
der fernen Eisberge Saum anschmiegt, wie Hermelinsverbrämung, und alle
Blütenbüsche fügt er in eine duftende Krone, womit er sich und seine Liebe
ziert.
    Und die Braut, im Gewande zarter Hoffnung, umgürtet von den Silberbändern,
deren Juwelenschmuck erst wieder lebendig wurde durch des Ersehnten feurigen
Goldblick, winkt dem Nahenden mit jugendlich grünen Zweigen, und scheint ihn
demütig zu fragen: Kommst Du noch einmal, mit mir den Bund zu schließen in
neuer Verjüngung? Nicht umsonst, Geliebter, trägst Du die Farbe der
Beständigkeit, denn viele tausendmal begingen wir schon unsre Feier, und dennoch
freist Du keine Andre als mich? - Der Hochzeiter schüttelt hierauf lächelnd die
wohlriechenden Locken, dass Blüte auf Blüte und Perle auf Perle daraus in den
Schoss der Freundin sinkt, als ein Geschenk seiner Freigebigkeit. Keine Andre
als Du, spricht er, schmückt mir Lager und Teppich so bunt und reizend; keine
wölbt mir Lauben luftig und schattig, wie Du; keine andre teilt meine Lust, das
Leben zu beglücken, das aus Dir stammt, in Dir vergeht, und wieder von neuem
aufsprosst, sich unsrer zu freuen. Glücklich sei das Geschlecht, während meines
Reiches Dauer, denn nach mir kommen strengere Herrscher, und die Sorge, und die
Welkezeit, und die Nacht! -
    Wer hat sich nicht schon gefreut unter dem lindwehenden Panier des
fröhlichen Lenzes? Wer, der ein fühlend Herz in der Brust trägt, hätte nicht
schon unter dem sonnigen Frühlingsschein die Arme ausgebreitet mit unnennbarem
Sehnen, entzückt von Dankbarkeit, erregt von milder Rührung? Predigt die schöne
Jugendzeit des Jahrs nicht Friede und Versöhnung? Entwaffnet sie nicht den Hass
in edelen Gemütern? O wahrlich, diese goldnen Tage sollten kein gezücktes
Schwert schauen, die süße Frühlingsluft kein drohend Wort vernehmen! - Aber die
Leidenschaften ziehen eine Eiswand um des
