 auf glänzende Art, wie er Treue,
Aufopferung und Liebe, die sich ihm so selten bewährt hatten, zu vergelten
wisse. Der Ritter und seine Tochter waren bisher noch immer seine Gäste im
Schloss zu Stuttgart gewesen, jetzt ließ er ein schönes Haus nächst der
Kollegiaten-Kirche mit neuem Hausgeräte versehen und übergab am Vorabend der
Hochzeit den Schlüssel dem Fräulein von Lichtenstein, mit dem Wunsche, sie
möchte es, sooft sie in Stuttgart sei, bewohnen.
    Und jetzt endlich war der Tag gekommen, welchen Georg oft in ungewisser
Ferne aber immer mit gleicher Sehnsucht geschaut hatte. Er rief sich am Morgen
dieses Tages das ganze Leben seiner Liebe zurück; er wunderte sich, wie alles so
ganz anders gekommen war, als er sich gedacht hatte. Wie hätte er, als er damals
durch den Schönbuch nach der Heimat zog, denken können, dass das Glück, die
Geliebte ganz zu besitzen, nicht mehr so ferne liegen werde, als er fürchtete.
Wie hätte er, als er sich an das Bundesheer anschloss, ahnen können, dass der
Herzog, welchen er zu bekriegen kam, sein Glück gründen werde. Mit welch
heiterer Ruhe dachte er jetzt an die Stürme jener Tage zurück, wo es ihm zuerst
wieder möglich geworden war, der Geliebten ein Wörtchen der Liebe zuzuflüstern,
wo er die Schreckenskunde vernahm, dass ihr Vater ein Feind des Bundes, sie mit
sich hinwegführen werde; wo er in Bertas Garten die unglücklichste Stunde seines
Lebens im schmerzlichen Abschied von der Geliebten hinbrachte, wo er auf lange,
vielleicht auf ewig verloren glaubte, was heute auf ewig sein werden sollte.
Jedes Wort der Geliebten kehrte wieder in seiner Erinnerung, und er musste aufs
neue ihre hohe Zuversicht, ihren schönen Glauben an ein gütiges Geschick
bewundern, den sie auch damals, wo die Zukunft mit einem düsteren Schleier
verhüllt, und keine Aussicht, keine Hoffnung mehr war, nicht verlor, den sie mit
dem letzten Abschiedskusse auch ihm mitzuteilen wusste.
    »Er hat uns nicht gelogen, dieser Glaube«, sprach der junge Mann, von der
Erinnerung bewegt, zu sich, »es lebt eine heilige, ahnungsvolle Stimme in ihrer
reinen Seele, und ihr klares Auge das in dem meinigen die Gewissheit meiner Liebe
las, tauchte auch damals tief in die Zukunft und verkündete Glück, es wird sie
auch jetzt nicht täuschen, wenn es ein süßes, ungestörtes Glück in unserer
Verbindung liest.«
    Ein bescheidenes Pochen an der Türe unterbrach die lange Gedankenreihe, die
sich an den heutigen Tag knüpfen, und in die ferne Zukunft hinausziehen wollte.
Es war Herr Dieterich von Kraft, der stattlich geschmückt zu ihm eintrat.
    »Wie?« rief dieser Schreiber des Großen Rates zu Ulm, und schlug
