, fast
am Ende seiner Laufbahn, aus der Brust seiner Lieblinge so hell entgegen
strahlte.
Ottokar nachzustreben, in allem nur Erreichbaren, war von nun an Hippolits
felsenfester Entschluss.
    »Sie hat ihn geliebt und er konnte ihr entsagen,« sprach er in einer ernsten
Stunde des reinsten Vertrauens zu Ernesto. »Auch ich entsage, ich der
Ungeliebte, der, hoffnungsloser als je, doch ewig ihr Bild im Herzen tragen muss.
Ich kann sie nie gewinnen, nun so sei all' mein Streben, ihrer wert zu werden,
wie Ottokar es ist. Kein Laut, kein Blick verrate von nun an meinen stillen
Schmerz, auch Sie Ernesto, ich flehe darum, ehren ihn durch Schweigen.«
    Andre Pläne, andre Hoffnungen reiften indessen in Ottokars edler Brust. Erst
jetzt, durch die Zeichnung Ernestos zur Sprache gebracht, hatte er von diesem
treuen Freunde vernommen, welche lange Reihe von Entsagungen und Opfern jeden
Tag in Gabrielens Leben bis zu dieser Stunde bezeichnete. Seine reuige Wehmut,
wenn er den Abstand zwischen seinem und ihrem Geschick betrachtete, steigerte
sich zu einer ängstlich drückenden Höhe, ihm war, als habe auch er ihr Unglück
mit verschuldet, und müsse jetzt nur suchen, sie zu erretten. In aller
unerträglichen Lächerlichkeit und Widerwärtigkeit sah er Moritz neben Gabrielen,
unablässig wie ein Schreckbild stand dieser vor seiner Fantasie. Er vermochte es
nicht, sich von ihm abzuwenden; im Gegenteil ward er nicht müde, Ernesto über
seine Persönlichkeit auszufragen, als hoffe er, dennoch endlich etwas zu
vernehmen, das ihm Trost zu geben vermöchte. Und zuletzt blitzte wirklich
während eines solchen Gesprächs wenigstens ein Hoffnung verheissender Strahl in
ihm auf.
    »Nein,« sprach er endlich, sich selbst zum Troste, »die Natur wird nicht
ungerecht sein, sie wird nicht die Lebenszeit des kränklichen Greises bis an die
äußerste Gränze des menschlichen Lebens hinaus rücken, um die Qual jenes
himmlischen Wesens zu verlängern. Gabriele wird frei, vielleicht bald, und wer
wäre dann des Glücks würdiger die trübe Erfahrung ihres Lebens auszugleichen,
jede qualvolle Erinnerung zu verlöschen, als dieser seltene Hippolit, mit seiner
unendlichen Liebe! An sich selbst dachte Ottokar nicht dabei, von jeher glich
sein Gefühl für Gabrielen mehr der anbetenden Bewunderung, als irdischer Liebe.
Jugendlich schön, fast noch in holder Kindlichkeit, wie sie in jener einzigen
unvergesslichen Stunde ihm erschienen war, um schnell wieder zu verschwinden,
schwebte ihr Bild noch immer unverändert vor seinem inneren Sinn; es konnte ihm
nicht einfallen sich selbst des Glücks noch würdig zu halten, ihr alle ihre
Leiden zu lohnen, sogar wenn ein unerwartetes Geschick die Bande zerreißen
sollte, die ihn an Aurelien fesselten, und die er selbst nie eigenmächtig zu
lösen längst entschlossen war
