 äußerst drollig, wenn sie abends um die Feuer
hergaukelt und, in ihrem angenommenen Zigeunercharakter, uns allen wahrsagt. Am
possierlichsten ist es dann, wenn sie unter die Deutschen gerät, welchen sie
sich nicht verständlich machen kann und von welchen sie kein Wort versteht. Oh,
wie schön ist hier die Natur! Die Tulpenbäume stehen in voller Blüte, neben
ihnen die zarte Akazie mit ihren weißen, duftenden Blütenbüscheln; der
schattende Plantan und sein Bruder, der Zuckerahorn, schützen uns gegen die
Strahlen der brennend heißen Sonne; Jasmin, Geissblatt und Rosen bilden Lauben
und Wände und erfüllen die Luft mit Balsamdüften; die Höhen sind mit Zedern,
Tannen und Eichen bekränzt, überall vermählt sich der Norden mit dem heisseren
Süden. Wie wird es sein in unserem lauen Tale am schönen Ohio! Wir werden auf
Louisville gehen, um uns noch mit einigen Bedürfnissen zu versehn; dann geht's
nach Eldorado, wie wir unsere Landschaft getauft haben, um es nimmer wieder zu
verlassen. Möchte es doch, wie jenes Eldorado des Kandide, jedem Fremden
unauffindbar sein! Zwar wird er dort keine Goldstücke, keine Rubinen zu
entwenden finden, aber er würde die Ruhe und den Frieden unterbrechen, welche
dort ihren Wohnsitz aufschlagen werden. Fern von dem unruhigen Treiben der Welt
werden unsere Tage dahinfliessen, wie der Wiesenbach, dessen Wellen kein Sturm
empört; kein Ehrgeiz, kein Gelddurst wird unsre Herzen bewegen, welche nur für
die Liebe und die sanften Gefühle der Freundschaft schlagen; politische
Meinungen werden uns so fremd sein als Religionsstreitigkeiten; keine
Modetorheit wird uns berühren, kein Richter Streitigkeiten veranlassen, kein
Fürst Befehle erteilen, kein Priester unsern Glauben meistern. Das goldene
patriarchalische Dasein hebt für uns an, wo alle Menschen Brüder waren; und
welchen Schatz von Kenntnissen und Fertigkeiten nehmen wir mit in dieses Leben
hinüber! Wie doch so anders muss es sich gestalten als in jener Urzeit
menschlicher Kindheit.
                                                        Eldorado, im Junius 1816
Angelangt sind wir in Edens blühendem Garten. Kein erzürnter Engel wehrte uns
den Eingang; freundlich wurden wir von dem Grenzgott, freundlich von den
friedlichen Laren empfangen. Wir mussten den Kentucky hinaufgehen, bis fast zu
seinem Ursprung, um einen Übergang zu finden in unser Paradies. Sehnsüchtig
blickten wir hinüber, wie einst die Kinder Israel nach den blauen Bergen, welche
sie noch von dem glückseligen Arabien trennten. Zephyrine verglich uns
hundertmal mit ihnen und Mucius mit ihrem Führer und Gesetzgeber. In ihrer
fröhlichen Laune, reich an Anspielungen und Gleichnissen, nannte sie Walter und
Stauffach Josua und Kaleb, welche uns die goldene Traube gezeigt, damit wir
geduldig durch die Wüste folgen möchten, wie die Rinder dem salzspendenden
Hirten; die Deutschen, meinte sie, wären die ägyptischen Ziegelstreicher und
Fronknechte, welche
