 wie Ihres Wandels unwillkürlich zurück, und so wenig die
Raupe ihr künftiges Schmetterlingsdasein zu ahnen im Stande ist, eben so wenig
ahnte auch ich, dass spätere Zeiten, mit der Erkenntnis Ihres ganzen Werts, die
bitterste Reue, mein Glück leichtsinnig verscherzt zu haben, in mir erwecken
würden.
    Um den Zorn meiner Tante nicht durch Widerspruch zu reizen, beschloss ich,
indem ich mich leichtsinniger und verdorbener stellte, als ich war, Ihre gute
Meinung von meinem Charakter zu zerstören, ohne die - das wusste ich wohl - eine
so fromme Gesinnung, wie die Ihrige, sich nie zu einer Verbindung auf ewig
entschlossen haben würde.
    Der Erfolg rechtfertigte meine teufelische List. Sie wandten sich mit
Abscheu von einem Menschen weg, der es frei bekannte, dass er ohne Religion und
Grundsätze sei, und der dem Heiligen, was Ihre Seele verehrte, Hohn sprach. Dies
unwürdige Spiel noch durch die erheuchelte Betrübnis krönend, mit welcher ich
meiner Tante klagte, dass Sie mein Herz verschmäht, meine Hand verworfen hätten,
kehrte ich, froh den Fesseln des Ehestandes entronnen zu sein, in das seelenlose
Geräusch der großen Welt zurück, das mich damals fester anzog, als alle Bilder
eines reinen häuslichen Glücks in der Perspective meiner Zukunft.
    Mit bitterem Schmerz, mit nagender Reue war ich mein eigener Ankläger. Darf
ich - zur Wahrheit nun zurückgekehrt und durch unauslöschliches Weh versöhnt mit
ihr, die ich einst so freventlich verletzte, jetzt auch mein Verteidiger sein?
-
    Nicht lange dauerte der Rausch fort, der mein besseres Selbst umfing. Bald
erkannte ich die Nichtigkeit der Freuden, denen ich nachgejagt war, und die
Sehnsucht nach einem höheren Glück, als das schale Einerlei eines immer
zerstreuten Lebens mir bot, wandte mich ab von dem betretenen Wege, um mich
einem besseren zuzuführen.
    Aber ach, um mit Freudigkeit auf ihm fortzuwallen, hätt' ich einer leitenden
Hand bedurft! Vergebens streckte ich die meinige aus - kalt, nicht von meinen
Leiden bewegt, nicht von meiner Innigkeit ergriffen, nicht durch meine Reue
erweicht, zog sich die von mir zurück, die allein mir hätte die Paradiese des
Lebens öffnen können.
    Indessen - ich klage Sie nicht der Härte an, Erna, ohne Sie zugleich zu
entschuldigen. Sie kannten mich zu wenig, um das Bild des Frevlers, das noch
dunkel im Hintergrunde Ihrer Seele ruhte, von dem Bilde des Gebesserten, im
Prüfungsfeuer des Entbehrens Geläuterten, sich selbst klar Gewordenen zu
trennen.
    Denn dass mein Herz, diese Wohnung des regsten Gefühls, und - als ich auf Sie
Verzicht leisten musste - der wühlendsten Verzweiflung, dennoch nicht wieder
zurücksank in den Abgrund früherer Vergehungen, aus denen das geistige Vermögen
besserer Erkenntnis mich erhoben, dass ich mitten im Dunkel
