 in reinem Himmelsfeuer, das nur leuchtet und wärmt,
ohne mit verderblichen Flammen zu vernichten, alles Entzücken, alle namenlose
Wonne des höheren, aus dem Innersten emporkeimenden Lebens, und tausend
Fühlhörner streckt der Geist aus in brünstigem Verlangen und umnetzt die, die er
geschaut, und hat sie und hat sie nie, da die Sehnsucht ewig dürstend fortlebt!
- Und sie, sie selbst ist es, die Herrliche, die, zum Leben gestaltete Ahnung,
aus der Seele des Künstlers hervorleuchtet als Gesang - Bild - Gedicht! - Ach,
Gnädigste, glauben Sie mir, sei'n Sie überzeugt, dass wahre Musikanten, die mit
ihren leiblichen Armen und den darangewachsenen Händen nichts tun als passabel
musizieren, sei es nun mit der Feder, mit dem Pinsel oder sonst, in der Tat nach
der wahrhaften Geliebten nichts ausstrecken als geistige Fühlhörner, an denen
weder Hand noch Finger befindlich, die mit konvenabler Zierlichkeit einen
Trauring erfassen und anstecken könnten an den kleinen Finger der Angebeteten;
schnöde Mesalliancen sind daher durchaus nicht zu befürchten, und scheint
ziemlich gleichgültig, ob die Geliebte, die in dem Innern des Künstlers lebt,
eine Fürstin ist oder eine Bäckerstochter, insofern letztere nur keine Eule.
Besagte Musikanten schaffen, und sie in Liebe gekommen, mit der Begeisterung des
Himmels herrliche Werke und sterben weder elendiglich dahin an der Schwindsucht,
noch werden sie wahnsinnig. Sehr verdenke ich es daher dem Herrn Leonhard
Ettlinger, dass er in einige Raserei verfiel, er hätte, nach der Art echter
Musikanten, die durchlauchtige Frau Fürstin ohne allen Nachteil lieben können,
wie er nur wollte!« -
    Die humoristischen Töne, die der Kapellmeister anschlug, gingen bei dem Ohr
der Prinzessin vorüber, unvernommen oder übertönt von dem Nachhall der Saite,
die er berührt, und die in der weiblichen Brust, schärfer gespannt, stärker
vibrieren musste als alle Übrigen.
    »Die Liebe des Künstlers,« sprach sie, indem sie niedersank in den Lehnstuhl
und wie im Nachsinnen den Kopf auf die Hand stützte, »die Liebe des Künstlers! -
so geliebt zu werden! - o, es ist ein schöner herrlicher Traum des Himmels - nur
ein Traum, ein leerer Traum. -«
    »Sie scheinen,« nahm Kreisler das Wort, »Sie scheinen, Gnädigste, für Träume
eben nicht sehr portiert, und doch sind es lediglich die Träume, in denen uns
recht die Schmetterlingsflügel wachsen, so dass wir, dem engsten festesten Kerker
zu entfliehen, uns bunt und glänzend in die hohen, in die höchsten Lüfte zu
erheben vermögen. Jeder Mensch hat doch am Ende einen angeborenen Hang zum
Fliegen, und ich habe ernste honette Leute gekannt, die am späten Abend sich
bloß mit Champagner, als einem
