 Morgenstunde gekränkt
sein, sie wird mir nicht zürnen, ihr Gelübde hatte den Irrtum veranlasst. Sei
zufrieden Anna, werde nur nicht eifersüchtig auf mich, sieh dich im Spiegel, du
blühende Rose, so freudig sah ich dich nie wie eben mitten in der Kümmernis
unsres Streits, dann sieh mich an und du wirst deine Eifersucht beruhigen,
selbst wenn du meiner Liebe zu dir nicht glauben wolltest.« - Anna küsste der
Mutter die Hand und sprach: »Die gute Mutter Hildegard, nun kann ich ihr keine
Liebe erweisen, aber du lebst doch noch recht lange, sollst dich recht lange mit
erfreuen. Die arme Mutter Hildegard, sie hat es nicht überlebt, dass ihr Sohn
fern von ihr schlafen sollte, ach da trage ich unschuldig die Schuld ihres
Todes.« - Die Mutter suchte sie zu zerstreuen und sagte: »Wir wollen doch einmal
lesen, was der bayerische Meistersänger dir zu Ehren gereimt hat, wahrscheinlich
hat er es schon zu tausend Bräuten gesungen, denn darum läuft das Sängervolk
immer so umher, dass sie an fremde Orte kommen, wo ihre paar Lieder noch für eine
Neuigkeit gelten; aber es ist schwer zu lesen vor dem Firnis, der daran klebt.«
Hochzeitsterne sind verglommen,
Und das schwarze Sonntagskleid
Ist dem Himmel abgenommen,
Alle Lust erwacht in Leid;
Freudig ist nun junges Leben
hl den frischen Tag gestellt,
Der gerührt des Blickes Beben
Tauend über dich erhellt.
Und du glaubst dem neuen Tage,
Endlos scheint er, weil er klar,
Es versinkt in Lust die Klage,
Dass kein Kranz in deinem Haar;
Sieh, dir blühen tausend Kränze,
Dieser ach versank im Fluss,
Führt des Lebens Wellentänze,
Lebensflut im stillen Kuss.
In der Kraft, die er gesegnet,
In der Hoffnung, die er regt,
Seid ihr beide euch begegnet,
Selig, wem das Herz so schlägt;
Selig, denn die tät'ge Ferne,
Der Gedanken Unbestand,
Und des Glückes Wandelsterne,
Trennen nicht dies innere Band.
Hochzeitmorgen ist gekommen,
Trägt ein feurig Freudenkleid,
Und die Welt erscheint vollkommen,
Feiert euren schönsten Eid,
Mit dem Licht vom ersten Tage,
Als die Erde jugendgrün,
Als zum heiligen Vertrage
Gott dem Menschenpaar erschien.
 
                               Dritte Geschichte
                                 Gute Hoffnung
Das Fest am Brunnen, welches den Morgen nach der Hochzeit feiern sollte, war
durch den Tod der guten Mutter Hildegard in seinem Wesen gestört worden, manches
blieb unbeendigt, weil Bertold sich der geliebten Toten nicht entreißen konnte,
und die scherzenden Masken sandte er alle zu dem Hause des Herrn Brix, wo Kugler
seit der Hochzeitnacht eingezogen war. Auch verspätet war das Frühstück am
Brunnen durch den langen Schlaf Annens, die Sonne schien dort zu heiß, und der
