 von
seltsamen Ahnungen bestürmt, nicht lange dauerte es, so wurde ich herabgerufen.
- Die Baronesse trat mir entgegen - ein schönes, herrliches Weib, noch in voller
Blüte. - Als sie mich erblickte, schien sie auf besondere Weise bewegt, ihre
Stimme zitterte, sie vermochte kaum Worte zu finden. Ihre sichtliche
Verlegenheit gab mir Mut, ich schaute ihr keck ins Auge und gab ihr nach
Klostersitte den Segen - sie erbleichte, sie musste sich niederlassen. Reinhold
sah mich an, ganz froh und zufrieden lächelnd. In dem Augenblick öffnete sich
die Türe, und der Baron trat mit Aurelien herein. -
    Sowie ich Aurelien erblickte, fuhr ein Strahl in meine Brust und entzündete
all die geheimsten Regungen, die wonnevollste Sehnsucht, das Entzücken der
inbrünstigen Liebe, alles, was sonst nur gleich einer Ahnung aus weiter Ferne im
Innern erklungen, zum regen Leben; ja das Leben selbst ging mir nun erst auf,
farbicht und glänzend, denn alles vorher lag kalt und erstorben in öder Nacht
hinter mir. - Sie war es selbst, sie, die ich in jener wundervollen Vision im
Beichtstuhl geschaut. Der schwermütige, kindlich fromme Blick des dunkelblauen
Auges, die weichgeformten Lippen, der wie in betender Andacht sanft vorgebeugte
Nacken, die hohe schlanke Gestalt, nicht Aurelie, die heilige Rosalie selbst war
es. - Sogar der azurblaue Shawl, den Aurelie über das dunkelrote Kleid
geschlagen, war im phantastischen Faltenwurf ganz dem Gewande ähnlich, wie es
die Heilige auf jenem Gemälde und eben die Unbekannte in jener Vision trug. -
Was war der Baronesse üppige Schönheit gegen Aureliens himmlischen Liebreiz. Nur
sie sah ich, indem alles um mich verschwunden. Meine innere Bewegung konnte den
Umstehenden nicht entgehen. »Was ist Ihnen, ehrwürdiger Herr?« fing der Baron
an: »Sie scheinen auf ganz besondere Weise bewegt!« - Diese Worte brachten mich
zu mir selbst, ja ich fühlte in dem Augenblick eine übermenschliche Kraft in mir
emporkeimen, einen nie gefühlten Mut, alles zu bestehen, denn sie musste der
Preis des Kampfes werden.
    »Wünschen Sie sich Glück, Herr Baron!« rief ich, wie von hoher Begeisterung
plötzlich ergriffen, »wünschen Sie sich Glück! - Eine Heilige wandelt unter uns
in diesen Mauern, und bald öffnet sich in segensreicher Klarheit der Himmel, und
sie selbst, die heilige Rosalia, von den heiligen Engeln umgeben, spendet Trost
und Seligkeit den Gebeugten, die fromm und gläubig sie anflehten. - Ich höre die
Hymnen verklärter Geister, die sich sehnen nach der Heiligen und, sie im Gesange
rufend, aus glänzenden Wolken herabschweben. Ich sehe ihr Haupt strahlend in der
Glorie himmlischer Verklärung, emporgehoben nach dem Chor der Heiligen, der
ihrem Auge
