: Kyrie eleison,
Christe eleison, ich habe euch vergeben, Halleluja dem Allerbarmer, er hat die
fressende Wut eingedämmt. - Buhlerin, wie Du so leichtsinnig mit mir fromme alte
Sitte gebrochen, so leicht wurde es Dir auch mit andern; wie Du Deine Eltern
betrogst, so betrogst Du mich. - Musste ich Dich so wiederfinden, Odoardo,
liebster Freund, ärgster Feind, in den schändlichen Armen. Odoardo, Du bist
unschuldig; eine Umarmung von ihr ist reicher wie der Himmel. Noch einmal will
ich sie sehen, sie umarmen, dann fort, fort, über Land und Meer.
Die Zeit der Aufführung kam heran, die Zuhörer sammelten sich. Maria ohne
Argwohn kleidete sich fröhlich an; Odoardo vermied es, ihr seine Besorgnisse
mitzuteilen. Es begann eine rührende Symphonie, als Hollin unbemerkt im Dunkel
in sein gemietetes Zimmer zurückkam und ohne Beihilfe andrer seine
Teaterkleider anlegte. Wahrscheinlich während dieser Musik schrieb er zu seiner
Beruhigung in die Schreibtafel:  ... Was es für Töne sein mögen, die aus dem
Innern hervordringend den Schmerz des unruhigen Lebens übertönen? Nicht von
außen kommen sie mir, es ist die Trauermusik vor einem Toten. Zuerst der
Posaunenklang, in welchem die großen Orgelgeister erwachen, wie sie allmächtig
die Kirchenwände erschüttern, dass die Betglocke leise anschlägt. In diesen
lustwandeln Oboen und Klarinetten; es schallen munter Geigen und Zimbeln
dazwischen. Da erschallt die erste geweckte Menschenbrust und schwebt im
Gesange, empor getragen, aber der Atem geht ihr aus. Wie du so einsam trauerst,
Maria, Mutter Gottes, um den verratenen Sohn; kann denn dein Sohn nicht mehr
trauern, dass du ihn geboren! Warum durchbricht so selten der Strahl des
Auferstandenen diese dunklen Fenster? - Es ist tiefe Nacht übers ganze Land
ausgegossen. - Da muss ich in der Finsternis an die blöden Augen schlagen; ich
sehe dann funkelndes Morgenlicht. - Sieh, wie die Mauern erbeben, Strahlen auf
und nieder schweben, Kindlein mit goldnen Flüglein auf der Leiter
herniedersteigen, die Himmelsscharen sich freundlich beugen, Luft, Luft, es
öffnet sich jede Gruft, Mariens Auge die Himmelsbläue durchbricht; freudig
Erbeben, seliges Leben, ewiges Licht.
    Lenardo hatte indessen mit unglaublicher Ungeduld nach allen Seiten
umgeblickt, ob Hollin nicht komme, und als der Vorhang aufging, selbst ein Kleid
angelegt, das der Rolle bestimmt war.
    Maria rührte durch ihr Elend als Stuart ungemein; sie war so ruhig, war so
gewiss, dass Hollin seine Rolle spielen werde, und wirklich trat er unerwartet zu
dem Auftritte heraus, wo er sich ihr als treuester Freund offenbaren sollte.
Unser Freund, durch die Schönheit seines kräftigen Baues, durch den
vorteilhaften alten Anzug gehoben, erregte allgemeines Aufsehen; das
