 ich's, dass sie sich so drängt,
Den neuen Segen taumelnd zu empfangen
Und zittert doch davor in süßer Lust,
Das ist das Fürchterlichste, was wir lieben.
Ach warum lieben wir, was furchtbar ist!
         Sie setzt sich auf eine Bank und lehnt das Haupt auf die Hand.
So bin ich, kaum erwacht, schon wieder müde!
Wo endet Schlaf? Wann geht auf das Sehen?
Wie wird es Tag? Wann löschen aus die Sterne?
Was grünt zuerst, wo steigt der erste Klang?
Unendlich tief ist Schlaf, unendlich weit der Morgen!
Ich schlaf im Wachen und ich wach im Schlafe,
So ist das Gestern auch zum Heut geworden,
Dem Auge fern, dem Geiste gegenwärtig;
Hier saß ich gestern abend, schrieb im Sande
Und fuhr erschrocken auf, was ich geschrieben,
Das, weiß ich, hatt ich nimmermehr gewollt.
Was da mein Stäbchen spielend hingezeichnet,
Der Morgenwind hat's sorglich ausgewehet,
Weil's unvereinbar ist mit meiner Ruhe.
                             Sie sieht zum Himmel.
Die graue Wolke steigt im Sonnenschein
So hellbesegelt wie ein Schiff im Blau,
Der trübe Dunst wird Licht im Sonnenauge:
Der Sonne Malerblick weiß alles zu verschmelzen,
Aus Meer und Wolken zieht sie helle Strahlen,
In träger Nacht die Geisterwelt zu malen;
Ganz unbemerkt entfaltet sich das Schöne,
Unendlich ward ein Frühling allen Sinnen.
Die Tage sind jetzt liebliche Geschwister,
Die jüngeren stets dem Mutterherzen lieber,
Sie sprechen nach, was jene älteren fragen,
Sie haben noch was Süsseres zu sagen,
Ein schöner Morgen ist des Frühlings Frühling,
Es wacht da alles auf, was je gelebt,
Und wär's im tiefsten Herzen fest verschlossen.
                            Sie geht unruhig umher.
O Sonne, Mutter zahllos lieber Kinder,
Warum bin Mutter ich und ohne Kind?
O Sonne, einen Augenblick zum Beten!
Du willst es nicht, die Augen gehen mir über.
      Sie hat in Gedanken Blumen gebrochen, und sie ins Gesicht gedrückt.
Wie verlieren sich die Blätter
Wunderbar in Flammenlicht,
Drinnen haucht ein kühlend Wetter,
Drück ich sie ins Angesicht;
Alle die Blumen sind ohne Harm
Nur die rote Rose nicht,
Sie sticht!
Sticht, wie die liebe Sonne so warm,
Mai ist ohne die Rose nur arm,
Mai ist ohne die Rose nur Qual -
Ihr stillen Gründe, du einsam Tal.
      Sie vertieft sich allmählich abgehend mit dem Gesange in den Garten.
                                       2.
                                 Vater und Kind
 beide in Kriegskleidern, das Kind sieht sich um und lässt den Vater oft allein,
          dass er vor sich sprechen kann, ohne von ihm gehört zu werden
VATER.
So ist des Unglücks und der Klugheit Fluch,
Dass sie uns unterwerfen leerer Furcht!
Wie schaudernd
