
Versuchen Sie in gleichem Sinn zu leben;
Dann frag ich Sie, ob Sie nicht gern entsagen.
KANZLER.
Ich bin zu alt zu einem neuen Leben.
Es lässt sich Liebe nicht so leicht erwerben,
Was nicht erworben, lässt sich nicht bewahren.
FÜRSTIN.
Ich bin auch älter als mein schöner Hylas;
Ich sterbe früher, weil ich älter bin:
So überlebt mich herrlich meine Liebe.
O Hylas komm, nach solchen ernsten Worten
Bedarf ich deiner Töne leichtes Spiel,
Und deiner Züge viel bedeutend Bild.
KANZLER.
Ich höre an dem Meere Klagetöne.
FÜRSTIN.
Es ist so mancher Unglücksfall am Meer.
Mein Hylas komm! Er hat ein zart Gemüt,
Und vor der Trauer muss ich ihn bewahren;
Er ist so klar, so froh wie jene Sonne,
Die aus den Wellen hellgebadet steigt.
                                       7.
            Die Künstler tragen die Leiche des Hylas nach dem Hause.
DER DICHTER.
Setzet nieder eure Bürde,
Schweigt im ernsten Trauerhaus,
Wohl geziemt sich Ernst und Würde,
Wo die Schönheit lischt in Graus.
Wo die Wärme ist verschwunden,
Kommt der öde Winterschlaf,
Alle Stärke ist geschwunden
Alle Glieder sinken schlaff.
FÜRSTIN.
Keinen Toten kann ich sehen,
Helfen kann ich ihm doch nicht,
Kann zur Hilfe was geschehen,
Sorgt, dass ja nichts hier gebricht.
Gern will ich ihm Obdach schenken,
Bis die Erde ihn verschließt,
Doch mit anderen Geschenken
Wär ich lieber heut begrüßt.
DICHTER.
Sehnlich wirst du nach ihm sehen,
Und in den erblassten Zügen
Les auf einmal alles Wehe,
Kenne wieder dein Vergnügen.
FÜRSTIN.
Sagt, wer ist es denn gewesen,
Dass ihr mich wollt zu ihm ziehen.
DICHTER.
Ach das schönste aller Wesen,
Selbst der Tod ist in ihm Blühen.
FÜRSTIN.
Wehe, wehe, Hylas, Hylas!
Ach das ist mein Hylas nicht,
Denn er hört nicht, Hylas, Hylas!
Blass ist auch sein Angesicht.
Kalt die Lippen, und gebrochen
Ist der Augen Feuerschein,
Tausend Tränen in den Locken,
Ach er ist nun nicht mehr mein!
KANZLER.
Ist kein Mittel ihn zu retten?
DICHTER.
Alles ist umsonst versucht!
Ach wer kann das Leben retten,
Das vor sich in eigener Flucht;
Denn die Arme ausgebreitet,
Stürzte er sich selbst ins Meer.
FÜRSTIN.
Welcher Gott hat ihn geleitet,
Und verwundet mich so schwer.
KANZLER.
Fürstin, seht des Schicksals Willen,
Dem der schöne Knabe fiel.
FÜRSTIN.
Sterbend muss ich so erfüllen,
Was für meine Kraft zu viel.
KANZLER.
Traurend konntest du beglücken
Schöner Gott, der hier verbannt,
Mochtest oft zum Himmel blicken,
Heimwärts hast du dich gewandt.
Fallet alle vor ihm nieder,
Seine Seele
