 zurücke.
Bin ich geworden, bin ich vollkommen,
Gestern ein Kindlein, bang und beklommen;
Heut in Italien findet mein Sehnen
Endlich des Busens hochherrliches Dehnen.
Ist dies die Heimat? Ist dies die Fremde?
Wie ist es kommen, dass ich mich grämte?
Schwimmen die Äpfel nicht golden im Bache,
Wenn ich erinnernd und hoffend erwache.
Wisst, wo die fröhlichen Mädchen noch hausen,
Nimmer die Stürme des Nordens einbrausen,
Merkt, dass Italien die schwimmende Insel,
Fliehend das stürmische Menschengewinsel.
Lachet ihr Mädchen, seht, sie weilet,
Nicht mit dem Morgenrot wieder zerteilt,
Alle Erinn'rung im Schilfe da rauschet,
Alles Ersinnen im Atem sich tauschet.
Seht, auf tausend hellströmenden Wellen
Herrliche Freunde zu uns sich gesellen
Und in dem blumigen Meere der Wiesen
Lasst die Stimmen tauchen und fließen.
Saget, was sind das für heil'ge neun Schwestern,
Ferne auf Sternen erblickt ich sie gestern,
Kommen mit Masken und Flöten und Leiern,
Jeglichen Morgen Italiens zu feiern?
Der Morgenstern
Musensohn, kennest du noch nicht die Musen,
Fühlst du nicht Liebe zu ihnen im Busen,
Fühlst du nicht Pochen im innersten Herzen,
Und auf den Lippen ein zärtliches Scherzen?
Nur im Genuße kannst du dich bilden,
Und nur die Armut macht den Wilden,
Alles ist nahe, was zu erstreben,
Was unerreichbar, lass es verschweben.
Nach einigem pflichtmässigen Lobe sprach der Minister: »Nicht wahr mein junger
Freund, Sie suchen eine Gelegenheit nach Italien zu reisen; sie meinen, da soll
auf einmal das Dichten ganz anders gehen, da soll kein Reim fehlen, keine Silbe
zu lang sein. Ich glaube, Sie irren sich darin; der Dichter muss mit seiner
Nation, in seiner Sprache leben, denn wenn er auch vollendeter in sich würde, so
fehlte ihm doch das Organ der Mitteilung.« - DER PRIMANER: »Sollte der Dichter
wegen seines Geschicks von der übrigen Welt ausgeschlossen sein, er wäre sehr zu
bedauern und sein Volk könnte ihm nie etwas sein, wenn er über eine schönere
Natur dessen eigentümliche Herrlichkeit vergässe. Nimmermehr! als ich von meiner
ersten Fussreise aus dem Entzücken über die nie ersehenen Berge zurückkam, da
rief es doch tief in mir: die Natur ist doch überall nur schlecht gegen das
göttliche Menschengeschlecht - doch wenn Ihre Exzellenz befehlen.« - »Nun, nun«,
sagte der Minister, »ich will Ihre Anschauung nicht stören, ich habe darin
nichts zu befehlen; ich danke für Ihre Bemühung, das Gedicht soll besorgt
werden.« - Bei diesen Worten entließ er ihn; der arme Primaner, wie gerne wäre
er geblieben, um noch die Wirkung seines Gedichts zu sehen; die Mamsell blieb,
ungeachtet
