 Erwerbe wisse.
Arme, arme Fürstentochter!
Die in ihren frühen Jahren
Mit so manchem schönen Pagen
Ein Versteckens oft gespielt,
Und nach ihrem frohen Sinne
Sie genecket und geküsset.
Ach noch denkt sie an den einen,
Der so oft am gläsern Wagen
Neben ihrem Sitz gehangen
Und mit seiner heißen Liebe
Ihr das Spiegelglas behauchte,
Bis er ihr darin verschwunden!
Ach er ist nicht ganz verschwunden!
Seit er ist herangewachsen,
Reitet er nach der Parade
Täglich bei dem Stift vorüber,
Als ein prächtiger Dragoner
Mit dem Degen an der Seite,
Mit der Feder auf dem Hute,
Mit den schönen blanken Stiefeln,
Mit der weißen Kraus am Hemde,
Mit der hohen schwarzen Binde,
Mit dem Rock Vergissmeinnicht,
Mit den Wangen Milch und Blut,
Mit dem schwarzen Knebelbarte;
Kommt geritten, sie begrüssend,
Seinem Pferd hat er gelehret,
Sich zu bäumen und zu wiehern,
Dass der Puder weit aufflieget,
Hat er ab den Hut genommen -
Also weicht er von dem Stifte
Wie ein schönes Wolkenbild.
Alle Nächte denkt sie seiner,
Wenn das Dunkel Frieden stiftet,
Und kein Blick sie mehr belauschet,
Wenn sie wandelt in dem Garten,
Süßes Schmachten in dem Herzen,
Holde Töne auf den Lippen,
Denen sie sich gern vertrauet,
Weil sie nicht als Zeugen dienen,
Sondern alsogleich versinken
Wie der Traum, der sie geschaffen.
Leise singt sie ihre Lieder,
Wie die Quellen zu den Veilchen,
Und im Hauche dieser Veilchen
Scheint der Liebling ihr zu nahen,
Mit dem Degen, mit dem Hute,
Mit der Krause, mit den Spornen,
Mit dem Zopfe, mit dem Puder;
Und mit ausgespannten Armen,
Wie mit Segeln zu dem Hafen,
Stürzt sie in den Arm des Teuren:
Und da sind es leere Lüfte,
Eine Hand, die fasst die andre;
Traurig singt sie leise flüsternd:
                              Gesang der Äbtissin
Soll ich's mir wie Strahlen denken,
Wie die Veilchen ferne düften
Und den Lüften
Doch die nahe Wollust schenken?
Will der Wind sie zu mir lenken,
Muss ich denken
Meiner Lieb in allen Sinnen,
Träumend ihn in Liebe grüßen;
Ihn zu küssen
Mein' ich und mich einzuspinnen
In des Vielgeliebten Armen;
Süss Erwarmen!
Seine Lippen Hyazinten
In dem frischen runden Schnitte,
Und die Mitte
Ist ein Kelch, den zu ergründen
Tausend schöne Worte dienen!
Welch Erkühnen!
Alle möchte ich ergreifen,
Ihn zu finden unter allen;
Ich muss fallen
In ein wüstes leeres Schweifen!
Wiederum ein Jahr vergangen
Im Verlangen!
Etwas muss der Mensch doch lieben,
Süsser Duft, du musst vor allen
Mich umwallen,
Flieh die Blumen, die betrüben,
Weil von jenes Frühlings Scherzen
Zeugen schwärzen;
Süsser Duft, nimm mein Vertrauen,
Denn zu
