
überwinde mich kaum, ihn gehen zu lassen. Du tadelst es, dass er uns alle
beherrscht. Aber sieh nur den süßen Trotz in Aug' und Mienen, das schmeichelnde
und gebietende Lächeln; Du widerständest auch nicht. Und lass es doch! Wem die
Natur das Herrscherstegel so aufgedrückt, der herrscht, wie man ihn auch
demütige. Vor so einem beugt sich die Welt, und wo ihm das Geschick
entgegensteht, da zertritt oder überspringt er es, und wird dennoch nicht
unglücklich. Du willst ihn also nicht sehen? Er soll nie Curen deutschen Boden
betreten? Du selbst wagst Dich nicht in Dein Vaterland zurück? Und dies alles um
eines Traumes willen? Wie bist Du so anders geworden. Wehet dieser Geist in
Euren Wäldern? Du quälst und arbeitest Dich ab, eine Zukunft zu berechnen, die
Dir so furchtbar in ihrer Dunkelheit ist. Liebe Viola, der Wurf ist getan, Du
setzest ihm kein Ziel. Stelle und sträube Dich, umbaue und verbirg Dich, tue
was Du willst, das Unvermeidliche ereilt Dich dennoch! Und Zeit und Ordnung
überfliegend, wagst Du, das tief verborgne Geheimnis zweier kindlichen Herzen
auszusprechen? Im Saamen bestimmst Du die Frucht; vor der Entwicklung die Reife?
Viola, erinnre Dich, dass das Glück solche flieht, die es mit Gewalt erfassen
wollen. Weissst Du, ob, was Du bindest, sich nicht ewig meiden wird? Was soll
Dein trübsehender, in Schmerz und Reue erzeugter Julius mit der reizenden
kleinen Luise, die Dir, wie Du selbst sagst, so ähnlich ist, bei deren heitrem
Lächeln Du Dein eigenes freudigeres Dasein noch einmal aufgehn siebst. Lass den
armen Knaben Deine Schuld allein abbüssen und schicke mir das muntere Kind, damit
ihr an Fernandos Seite ein blühenderes Loos werde. Aber ich tadle Dich und
möchte eben jetzt dem Schicksal vorgreifen! Was kommen soll, wird geschehen!
Niemand weiß, wie er endet! O könntest Du nur, wie ich, unsern holden Liebling
sehen, wie er hier vor mir die schönen Glieder auf dem weißen Schnee der
bläulichen Wellen wiegt, wie alles, Licht und Luft und die kleinen kreisenden
Fluten, mit ihm zu spielen scheint, und er dann von Zeit zu Zeit das Köpfchen
hebt, die dunklen Locken schüttelt und unter den hohen Brauen zu mir hinsteht,
als wolle er das ernstre Geschäft bannen und mich unwiderstehlich zu sich
herabziehn. Armer Eduard! Arme Viola!«
    O vermessne, höchst vermessne Viola! rief Luise, mit blutendem, gewaltsam
bewegtem Herzen. Wie hast Du Dich an das Heiligste gewagt, und uns alle in Dein
finstres Loos verstrickt! So nahe also, so ganz nahe lag mir mein Glück, und nun
-! Ihr war,
