, die Leidenschaften derjenigen im Zaum hält, denen Nähe des
Trons und oft wiederholtes Beispiel eine ewige Anreizung zu kühnen Versuchen
sein könnte. Doch scheint mir, die Würde der römischen Macht, die der
außerordentliche Geist dieses Mannes aus zerfallenden Trümmern herrschend
hervorrief, wird wohl mit diesem Geiste stehen und sinken. Nicht Maximians rohe
Kraft, nicht Galerius düsteres Gemüt, nicht der weiche Konstantius sind der
ungeheuren Last gewachsen. Jetzt behauptet Jeder, von des Herrschers Klugheit
wohl gewählt, den angewiesenen Platz mit Ehre, und benagt sich leicht und
kräftig in seinem Kreis. Doch das ist Täuschung. Es sind nicht sowohl zwei
Auguste und zwei Cäsaren, die die römische Welt teilend regieren: es ist ein
gewaltiges Genie, das durch die Andern, wie die Seele durch Organe, wirkt. Was
entstehen wird, wenn einst diese Seele entweicht, liegt im Dunkel der Zukunft
verborgen. Erfreulich kann es auf keinen Fall sein.
    Sieh, das ist unser Unglück, dass wir - Bewohner eines Freistaates - so weit
gekommen sind, den Tod eines Alleinherrschers fürchten zu müssen; dass an Einem
Geiste das Schicksal der Welt hängt, und in dem von Grund aus verderbten Volke,
das einst den ganzen Erdkreis durch seine Helden eroberte, durch seine
Staatsmänner regierte, ein solcher Verlust unersetzlich ist. Sein Tod wird das
künstliche Band zerreißen, womit er die zerfallenden Glieder des Riesenkörpers
wider den Geist der Zeit und der Umstände gewaltsam zusammenhielt, und den
Barbaren, die neidisch und gierig unsere Grenzen umlauern, scheue Ehrfurcht
gebot. Trüb und düster liegt die Zukunft vor mir, die Gegenwart ist schaal, die
Vergangenheit ohne Freuden; denn meine Kindheit und erste Jugend schwand unter
feindlichen Umgebungen hin. Wo soll mein Geist sich hinwenden?
    Phocion! Ich bin nicht glücklich, und mit unendlichem Schmerze fühle ich,
dass die Quelle meines Unglücks nicht sowohl in der Welt um mich, sondern in nur
selbst liegt. Tausende an meinem Platze würden vergnügt sein, sind es wirklich.
Ich trage Begriffe, Forderungen, Gestalten in meiner Brust, die nimmermehr zu
dem passen, was um mich vorgeht. Ich bin in ewigem Kampfe mit der Wirklichkeit,
und sie rächt sich nur zu bitter an dem, der ihre Freuden verschmäht. Und wie
soll ich's ändern? Kann ich mich umgestalten? O warum ward mir nicht ein kleiner
Teil des holden Leichtsinns zum Loose, der die reizende Kalpurnia so sanft über
alle Unannehmlichkeiten des Lebens hinwegführt?
    Dem trüben Geist, in quälenden Gedanken versunken, erscheint nur zuweilen
ein einziges Bild aus der Nacht der Vergangenheit, das ihn sanft und freundlich
anlächelt, dann schnell verschwindet, und den brennenden Schmerz in süße Wehmut
löset.
    Als ich ein Kind war - lange ehe mein Vater mich deiner
