 die ihn träumend so oft
entzückten. Der schöne Mund lächelte ihn so vertraut und lebendig an, die ganze
Gestalt schien immer dichter und gerundeter aus dem Bilde hervor zu treten, da
hörte er tief aus gepresster Brust seufzen, seine Blicke flogen zu dem Ruhebette,
er breitete die Arme aus, er wollte die Scheidewand zersprengen, indem erlosch
die Lampe, und er stürzte, halb sinnlos vor Schreck, aus dem Garten. Noch in
diesem Augenblick fasste ihn derselbe Schauer, da jene Erinnerungen wieder
erwachten, und dennoch wollte er sich nicht davon losmachen, sondern versenkte
sich immer tiefer, mit geheimer ahndungsvoller Lust hinein, als Rodrich halb
träumend zu ihm aufblickte, und leise wie im Schlafe fragte, warum ist er nicht
bei dir geblieben, da ich euch doch bei einander sah, und er es war, der dich
zu mir führte? Florio fühlte bebend, dass derselbe Gedanke sie beide erfüllte. Er
wandte sich von dem schlaftrunkenen Freunde, und sang still zur Harfe:
Wenn die Nacht, heraufbeschworen
Von der Erde stillem Ruf,
Nieder ihre Schleier senkend
Zu verhüllen keusche Glut:
Sterne bald als Liebesboten,
Spielend auf der Tiefe Grund,
Sich in duft'ge Perlen tauchen
Die entquellen innrer Lust:
Alle Farben dann verschwimmen,
Tragend auf bewegter Flut
Erd' und Himmel im Vereine,
Aufgelöst in sel'gem Kuss:
Dann zerspringen alle Bande,
Freiheit atmet die Natur,
Aus den Wolken, aus den Grüften
Dringt ein geistig leiser Gruß.
Was der Sonne kreisend Walten
Frech getötet, was der Sturm
Trüber Zeiten längst verwehte,
Paradieses Blütenschmuck,
Keimt aus wonnevollen Tränen
Zieht heran in Wolkenduft.
Frei gegeben sind die Spiele,
Frei, im innern Heiligtum.
Traum und Schatten zieh'n im Fluge
Durch die offene Menschenbrust,
Grüssen froh die alte Heimat,
Wecken ahndend heißen Wunsch.
Wünsche sind geheime Seufzer
Nach entfloh'ner Götterlust;
Sehnsucht ist die heil'ge Stimme
Die zum Paradiese ruft.
Der Morgen war indes heraufgezogen, und trieb nach und nach Theresens muntere
Gäste zur Stadt zurück. Auf den Straßen wimmelte es bald von bunten Masken, die
schwirrend durch einander hinzogen, und ihr mutwilliges Spiel erst in den
stillen Wohnsitzen dürftiger Genügsamkeit endeten. Rodrich war auf den
wachsenden Lärm herbeigekommen, und lehnte an Florio's Seite im offenen Fenster.
Er konnte sich weder des augenblicklichen Rausches noch der phantastischen
Gestalten recht erfreuen. Der Tag war zu nahe, er wehete kühl herüber, die ganze
Lust schien ihm ein mattes Spiel, die armen Sinne zu betrügen, die beim hellen
Licht den engen Kreis bald wieder erkennen, und befangener als je darin atmen
würden. Gedankenvoll lauschte er vorüberziehenden Klängen, die endlich vor dem
eintönigen Treiben der nahen Werkstätte schwiegen, und
