 Teufel über dem
Erdball schwebte. Ich schüttelte mich und lachte, und hätte gern alle die
Schläfer unter mir mit eins aufgerüttelt, und das ganze Geschlecht im Negligée
angeschaut, wo es noch keine Schminke, falsche Zähne und Zöpfe und Brüste und
Hintere auf- - und an- - und umgelegt, um den ganzen abgeschmakten Haufen
boshaft auszupfeifen.
 
                             Dreizehnte Nachtwache
Ich stieg den Berg hinauf am Ausgange der Stadt - es war die Tag- und
Nachtgleiche des Frühlings, und draußen lag die alte Fee, die Erde, und kochte
ihre mitternächtlichen Zauberkräuter, um am Morgen nach abgeworfenem Silberhaare
und ausgeglätteten Runzeln, schön umlockt und bekränzt als eine junge Nymphe
aufzustehen, und ihre neugebornen Kinder an dem schwellenden Busen zu tragen. -
Unten im Tale blies ein Hirte das Alphorn, und die Töne sprachen so lockend von
einem fernen Lande, und von Liebe und Jugend und Hoffnung; ich dichtete zu ihrer
Begleitung folgenden
                         Dityrambus über den Frühling.
»Du erscheinst, und erschrocken flieht dein finsterer Bruder, und die Schilde
und Panzer, worin er gewaffnet dastand, rasseln durcheinanderstürzend und
zerbrechen; und siehe errötend in Morgenglut tritt die junge Erde hervor, wie
eine blühende Jungfrau; und du küssest die Geliebte, Jüngling, und schlingst ihr
den Brautkranz in die Locken. Da sinkt der letzte Glätscher und das erstarrte
Element wird frei, und fließt still dahin zwischen Blumen und überwölkt von
grünen Gebüschen, die Berge halten ihre Sennenhütten hoch in die blaue Luft, und
an ihren Abhängen kleben die gefleckten Heerden. Blumen blühen und träumen
Liebe, und die Nachtigall singt sie in den Gesträuchen. Die Bäume schlingen ihre
Zweige in duftige Kränze, und reichen sie zum Himmel empor; der Adler steigt
betend in den Sonnenglanz auf, wie zu Gott, und die Lerche wirbelt ihm nach,
jubelnd über der geschmückten Erde. Jeder duftende Kelch wird zu einer
Brautkammer, jedes Blatt ist eine kleine Welt, und alles saugt Leben und Liebe
an dem heißen Herzen der Mutter! - Nur der Mensch -«
    Hier verstummte plötzlich das Alphorn, und der letzte Ton und das letzte Wort
verhallten langsam und sterbend.
    »Hast du nur bis zu diesem Worte geschrieben, Mutter Natur? Und in wessen
Hand überlieferst du die Feder zur Fortsetzung? - Kannst du es nimmer lösen,
warum alle deine Geschöpfe träumend glücklich sind, und nur der Mensch wachend
dasteht und fragend - ohne Antwort zu erhalten? - Wo liegt der Tempel des Apollo
- wo ist die Stimme, die einzig antwortende? Ich höre nichts, als Wiederhall,
Wiederhall meiner eigenen Rede - bin ich denn allein?
    Allein! ruft die hämische Stimme. Mutter, Mutter, warum schweigst du? - O du
hättest das letzte Wort in der Schöpfung nicht
