 Schellen!
Rüstig, immer zu; wer den andern übertäubt, führt die Braut heim. Schade nur,
ich sehe zwei Bräute, eine weiße und eine rote - zwei Hochzeiten, zu der einen
im unteren Stockwerk heulen die Klageweiber ihre Weise; einen Stock höher pfeifen
und geigen die Musikanten, und die Decke über dem Todtenkämmerlein und dem Sarge
bebt und dröhnt vom Tanze.
    Erklärt mir doch den nächtlichen Spuk!
    Lenore reitet vorüber - die weiße Braut hier in der stillen Hochzeitkammer,
liebte den Jüngling der droben walzt; und, das ist Lebensweise, sie liebte, er
vergaß, sie erblasste, und er entglühte für eine rote Rose, die er heute
heimführt, indem man diese wegträgt. -
    Das ist die alte Mutter der weißen Braut, am Sarge - sie weint nicht; denn
sie ist blind - auch die weiße weint nicht und schlummert und träumt sehr süß. -
    Da stürmt der Hochzeitszug noch tanzend die Stiegen herab - und der Jüngling
steht zwischen zwei Bräuten. Er erblasst doch ein wenig. Still! Die blinde Mutter
erkennt ihn am Gange. - Sie führt ihn zum Brautbette der schlummernden Braut.
    »Sie hat sich früher niedergelegt zur Hochzeitnacht, als du, erweck sie
nicht, sie schläft so süß, aber deiner hat sie gedacht bis zum Schlummer. Das
ist dein Bild auf ihrem Herzen. - O zieh die Hand nicht so erschrocken zurück von
der kalten Brust; die Nacht ist die längste wo der Frost am bittersten ist, und
sie liegt einsam im Brautbett', ohne den Bräutigam!« -
    Sieh! Da hat der Schrecken die rote Rose auch erblasst und der Jüngling
steht zwischen den zwei weißen Bräuten. - Fort, fort, das ist Weltlauf. O wenn
ich doch blasen und singen dürfte.
    Jetzt schwebt die Leiche hin durch die Gassen, und der Laternenschein still
hinterdrein an den Wänden, wie wenn der vorüberwandelnde Tod sich dem
schlummernden Leben nicht verraten wollte. Der gefrorene Boden knirscht unter
den Fusstritten der Leichenträger - das ist der heimliche tückische Brautgesang!
- Und sie bergen sie in ihr Kämmerlein.
    Aber nahe dabei singen und brausen noch Jünglinge, und verschwenden das
Leben, und die Liebe und die Poesie in einem kurzen raschen Rausche, der am
Morgen verflogen ist - wo ihre Taten, ihre Träume, ihre Hoffnungen, ihre
Wünsche, und alles um sie her nüchtern geworden und erkaltet ist. -
    Im Nonnenkloster der heiligen Ursula war noch spät in der Nacht ein
unruhiges Treiben. Die Klocke schlug dann und wann leise und dumpf an, wie wenn
man träumend stürmen hört, und an den Kirchenfenstern, deren Bogen über die
Mauer herabschaueten, flog oft ein ungewöhnlicher aber schnell wieder
verlöschender Lichtglanz auf. Ich ging einsam um
