 Dach und Fach kämpft mit dem Schlummer, der
ihn so süß und lockend, in die Arme des Todes legen will, wie den leichtsinnigen
Fischer die Nixe mit Gesang in die Wellen einladet. -
    Soll ich den Tod betrügen um das Bettlerleben? Beim Teufel ich weiß es ja
nicht was besser ist - Sein, oder Nichtsein! - O die dort mit dem nachgeahmten
Süden in ihren Schlafkammern, und dem gemahlten Frühling an den Wänden, wenn
draußen der wirkliche erstarret ist, werfen die Frage nicht auf, und sie
bereiten sich selbst die Natur, wie ein leckeres Gericht auf ihren Tafeln, zu
und genießen sie gern nippend und in unterbrochenen Pausen, damit sie im
Geschmack bleiben. Aber dieser Vogelfreie ruht der alten Mutter noch unmittelbar
an der Brust, die eigensinnig und launisch, wie jede Alte, bald ihre Kinder
erwärmt und bald sie erdrückt. - Doch nein, du Mutter bist ewig treu und
unveränderlich, und bietest den Kindern Früchte in dem grünen Laube das sie
beschattet, und Flammen und die Erinnerung an dich, wenn du schlummerst; aber
die Brüder haben den Joseph verstoßen, und verschließen tückisch die Gaben, die
du ihm, wie den andern Kindern reichst. - O die Brüder sind es nicht wert, dass
Joseph unter ihnen wandle! Er mag entschlummern!
    Da ist das Gesicht schon starr und kalt, und der Schlaf hat die Bildsäule
seinem Bruder in die Arme gelegt; ich will sie hier aufrichten, dass sie wie ein
Schreckbild, wenn die Sonne aufgeht, in den Tag schaue. - O mörderischer Tod,
der Bettler hatte noch eine Erinnerung an das Leben und die Liebe - die braune
Locke seines Weibes hier unter den Lumpen auf der Brust; du hättest ihn nicht
würgen sollen, - und doch -
                              Der Traum der Liebe
Die Liebe ist nicht schön - es ist nur der Traum der Liebe der entzückt. Höre
mein Gebet, ernster Jüngling! Siehst du an meiner Brust die Geliebte, o so brich
sie schnell die Rose, und wirf den weißen Schleier über das blühende Gesicht.
Die weiße Rose des Todes ist schöner als ihre Schwester, denn sie erinnert an
das Leben und macht es wünschenswert und teuer. Über dem Grabhügel der
Geliebten schwebt ihre Gestalt ewig jugendlich und bekränzt und nimmer entstellt
die Wirklichkeit ihre Züge, und berührt sie nicht dass sie erkalte und die
Umarmung sich ende. Entführe sie schnell die Geliebte, Jüngling, denn die
Entflohene kehrt wieder in meinen Träumen und Gesängen, sie windet den Kranz
meiner Lieder und entschwebt in meinen Tönen zum Himmel. Nur die Lebende stirbt,
die Tote bleibt bei mir, und ewig ist unsre Liebe und unsre Umarmung! -
    Horch! - Tanzmusik und Todtengesang - das schüttelt lustig seine
