 nur für die
weiblichen Blumen in der Erde steht, eine römische Säule werden, deren Kapitäl
jene Blumen bloß bekränzen.
    Sehr erstaunte Walt - der im Doppel-Roman nur der Dichter, nämlich das
stille Meer gewesen, das alle Bewegungen, der Seegefechte und des Himmels,
abspiegelt, ohne selber in einer zu sein -, als Vult aus dem Buche von weitem
schließen wollte, er liebe vielleicht. Er glaubte dem gereiseten Flötenisten
aufs Wort; sagte aber selber keines davon und war heimlich ganz vergnügt, dass
ers jetzt gerade so habe, wie ers hinschreibe. Stundenlang frappierte ihn eine
neue Rolle, worin er etwas zu spielen hatte, was schon millionenmal auf allen
Planeten gespielt worden.
    Als nun die Brüder nach ihrer Gewohnheit ihre gegenseitigen Tagesgeschichten
gegeneinander austauschen wollten: so ging dem Notar die seinige sehr schwer und
klebend von der Zunge; - er hielt sich mehr an den General und an dessen
mémoires érotiques, um seine eignen zu decken.
    Er lobte die geistige reine Blüte in jenen; Vult lächelte darüber und sagte:
»Du bist eine verdammt gute Seele!« Die Liebe, welche das ganze Herz öffnet, so
wie verschenkt, verschliesset und behält doch den Winkel, wo sie selber nistet;
und diktiert dem besten Jüngling die erste Lüge, wie der besten Jungfrau die
längste.
    Walt begleitete - bei seinen innern Bewegungen, deren Blutkügelchen wie
höhere Kugeln einen freien Himmel zum Bewegen brauchten - den Bruder nach Hause.
Dieser begleitete erfreut wieder jenen; Walt wieder diesen, um vor Winas
Fenstern auf dem Heimwege vorbeizukommen. So trieben sie es oft, bis der
Notarius siegte.
    Einsam unter dem breiten Sternenhimmel konnt' er die glühende Seele recht
ausdehnen und abkühlen. »Sollt' ich denn den romantischen, so oft gedichteten
Fall jetzt wirklich in der Wirklichkeit erleben, dass ich liebte?« sagte er. »Nun
so will ich«, setzt' er dazu, und der bisher winterlich eingepuppte, gefrorne
Schmetterling sprengte die Puppen-Hülse weit ab und fuhr auf und wiegte feuchte
Schwingen, »lieben wie niemand und bis zum Tod und Schmerz - denn ich kanns ja
gut, da sie mich nicht kennt und nicht liebt und ich ihr nichts schade und sie
sehr von Stand ist und jetzt vollends auf einen Monat verreiset. Ja es sei ihr
ganz und voll hingereicht, das unbekannte Herz, und wie unterirdischen Göttern
will ich ihr schweigend opfern. O ich könnte diese Sterne für sie pflücken zum
blitzenden Juwelen-Strauss und weiche Lilien aus dem Monde darein binden und es
in ihrem Schlafe neben ihr Kissen legen; wüsst' es auch kein Wesen, wer es getan,
ich wäre zufrieden.«
    Er ging die Gasse herab an Zablockis Haus. Alle Lichter waren
