 Unterschrift des
weiblichen Taufnamens nicht berechtigte, eine Jungfrau für die Korrespondentin
eines Jünglings durch Zurückgabe bestimmt zu erklären.
    Die Musik fing wieder an. Wenn Töne schon ein ruhendes Herz erschüttern, wie
weit mehr ein tief bewegtes! Als der volle Baum die Harmonie mit allen Zweigen
über ihm rauschte; so stieg daraus ein neuer seltsamer Geist zu ihm herab, der
weiter nichts zu ihm sagte als: weine! - Und er gehorchte, ohne zu wissen wem -
es war, als wenn sein Himmel sich von einem drückenden Gewölke plötzlich
abregnete, dass dann das Leben luftig-leicht, himmelblau und sonnenglänzend und
heiß dastände wie ein Tag - die Töne bekamen Stimmen und Gesichte - diese
Götterkinder mussten Wina die süßesten Namen geben - sie mussten die geschmückte
Braut im Kriegsschiff des Lebens ans Ufer einer Schäferwelt führen und wehen -
hier musste sie ihr Geliebter, Walts Freund, empfangen unter fremden
Hirtenliedern und ihr rund umher bis an den Horizont die griechischen Haine, die
Sennenhütten, die Villen zeigen und die Steige dahin voll wacher und schlafender
Blumen - Er nötigte jetzt Cherube von Tönen, die auf Flammen flogen, Morgenröte
und Blütenstaub-Wolken zu bringen und damit Winas ersten Kuss dämmernd
einzuschleiern und dann weit davonzufliegen, um den stummen Himmel des ersten
Kusses nur leise auszusprechen.
    Auf einmal, als unter diesen harmonischen Träumen der Bruder lang auf zwei
hohen Tönen schwebte und zitterte, die den Seufzer suchen und saugen: so
wünschte Gottwalt mitzitternd, am Traum des fremden Glücks zu sterben. Da
empfing der Bruder ein misstöniges raues Lob; aber Walten war bei seiner
heftigen Bewegung die äußere gar nicht zuwider.
    Es war alles vorbei. Er strebte - und nicht ohne Glück - am nächsten hinter
Wina zu gehen; nicht um etwa ihr Gewand zu bestreifen, sondern um sich in
gewisser Ferne von ihr zu halten, mithin jeden andern auch und so als eine
nachrückende Mauer von ihr das Gedränge abzuwehren. Doch drückte er unter dem
Nachgange sehr innig ihre Hand im - Brief an Klotar.
    Zu Hause setzt' er im Feuer, das fortbrannte, diesen Streckvers auf:
                                 Die Unwissende
Wie die Erde die weichen Blumen vor die Sonne trägt und ihre harten Wurzeln in
ihre Brust verschließt - wie die Sonne den Mond bestrahlt, aber niemals seinen
zarten Schein auf der Erde erblickt - wie die Sterne die Frühlingsnacht mit Tau
begiessen, aber früh hinunterziehen, eh' er morgensonnig entbrennt: so du, du
Unwissende, so trägst und gibst du die Blumen und den Schimmer und den Tau, aber
du siehst es nicht. Nur dich glaubst du zu erfreuen, wenn du die Welt erquickst.
O fliege zu ihr, du Glücklichster, den sie liebt, und sag es ihr, dass du der
Glücklichste bist,
