 ein leichtes Gewölk, weit über mir dahin gezogen. - Vergebens nehme ich
ein Buch, um mich zu zerstreuen; - ich kann nicht lesen. Mein Auge kann sich von
den erfreulichen Bildern nicht losreißen. Die verklärten Bäume, die rötlichen
Wolken, die den Himmel durchfliegen; die blühenden Büsche, welche Felder und
Wiesen, wie Perlen, umfassen - in allen sieht mein treuloses Herz sein Bild!
Vergebens rufe ich Stolz und Leichtsinn zu Hilfe; in meine einsamsten Stunden,
drängen sich Bilder aus der Vergangenheit, und mit der ambrosischen Luft, atme
ich neue Wünsche, neue Phantasien ein. O! ihr holden Genien des Lebens, rufe ich
dann, Liebe, Hoffnung und Freude, solltet ihr mir auf immer entwichen sein?
Sollte kein Tropfen eurer Götterschaale jemals wieder das verödete Herz
erquicken? - Und doch, Julie, wenn ich seine Briefe lese - ach! ich lese sie
öfterer, als ich selbst will! - und mich das Innige derselben bis zum Zerstöhren
ergreift - dann wird mir der Gedanke kalte, tödtende Pein, dass auch dies enden
konnte, auch dies, wie Alles endet! - Nein! wie es auch sei, ich kann ihm dieses
Schweigen, dies Ersterben, ich kann es ihm nie verzeihen! - Denn was steht in
meiner Macht zu tun, da ich nicht einmal seinen Aufenthalt weiß? - Und wenn ich
auch handeln könnte, würde ich es wollen? Nein! nur dem Mann, dem Machtvollen,
kommt es zu, die Begebenheiten zu schaffen, alles Aeussre nach seinem Gefallen zu
lenken. - Doch - was ich auch denken mag - bald kehrt die Erinnerung, des
höchsten, einzigen Glücks, wieder siegreich in meine Seele zurück, und Er
erscheint mir wieder ganz wie vormals. - Dann klage ich; warum bist du mir fern,
Geliebter! in dieser heiligen Abenddämmerung, hier, wo alles die Sehnsucht nach
dir erneut? - Wie ein Dolchstich fährt es mir durchs Herz, wenn ich dann
bedenke, wie glücklich wir sein könnten, und jede Minute, die ich ohne ihn
verleben muss, dünkt mich ein unersetzlicher Verlust. -Ja! alle bessere Seelen,
haben Momente des höheren Lebens, der Begeisterung. Diese Momente verschwinden,
und sie steigen zur Nüchternheit des Gewöhnlichen wieder herab; aber wenn zwei
Seelen sich in solchen Momenten finden, wenn sie sich da begegnen, dann ist der
Himmel zwischen den beiden. - O! da auch dies enden musste, wie Alles, was hält
denn den flüchtigen Geist noch hier? Wo erwartet denn nun noch das Herz,
Befriedigung seiner unendlichen Sehnsucht? - Weh mir, dass ich unsterbliche
Gefühle in mir nähren, und nur sterbliche erwecken konnte, dass mein Leben in
