 macht
die Entfernung allein, die Entbehrung, die mich alles Sinnes und Mutes beraubt!
- Die Welt weicht von mir zurück. Leiser, und immer leiser verhallen in dem
weiten All die Töne der Liebe, der Freude, unvermerkt löset sich ein Band nach
dem andern, und an dem großen Accord menschlicher Wünsche und Freuden schließt
sich der Ton meines Herzens nicht mehr an.
Dein Brief taut Balsam auf mein wundes Herz, und gräbt die Wunde doch tiefer.
Ich denke mich bis zum Wahnsinn in alle verschiedenen Lagen hin, worinnen ich
Dich so oft gesehen. Ach! dass ich die Träume, die die Sehnsucht Deinem Auge
entlockt, wenn Du einsam in die nächtliche Gegend blickst, nicht von Deinen
Wangen küssen kann! dass ich nicht mehr gegenwärtig bin, um die Musik Deiner Rede
zu vernehmen, wenn Deine Lippen sich so anmutsvoll bewegen, dass ich oft selbst
das Hören darüber vergaß! - Kann der tote Buchstabe mir ersetzen, was einst so
lebensvoll, so göttlich vor mir stand? - Nein! meine Empfindung gleicht der
Empfindung eines Greises, der aus dem Schatten der Ruhe noch einmal auf den
schimmernden Blumenpfad seiner Jugend zurückblickt. Alles Glück liegt hinter
ihm, und vor ihm, eine stille, leere, dunkle Gegend.
    Ein Plätzchen habe ich hier gefunden, heimlich zwischen Bergen und
Gesträuch, dem Garten ähnlich, wo einst Engel zu mir herabstiegen. Hier will ich
mir eine kleine Kapelle bauen, einfach, prunklos und mit weichem Boden, dass man
leise geht, wie der verstohlne Tritt der Liebe. Über dem Altar hängt Dein Bild;
auf ihm liegt alles, was ich je in seligen Stunden von Bändern, Blumen und
Briefen von Dir erhielt. Vier Säulen sind darinnen, der Phantasie, Erinnerung,
Hoffnung und Liebe geweiht, und jede trägt das Gemälde einer Sonne aus der
kurzen Blütezeit meines Glücks. Zuweilen muss ich auch einen Menschen mit mir
dahin führen, um dort zu beten, denn welcher Genuss ist ungeteilt? - Aber
behutsam, sehr behutsam werde ich sein in meiner Wahl, und wohl manches Jahr wird
hingehen, dass keiner in den Tempel meiner Allgegenwärtigen tritt. Und wenn auch
einer der Erste seines Jahrhunderts wäre, so müsste er dennoch geliebt, glücklich
geliebt haben, wenn er mich begleiten dürfte. Aber große Menschen werden nicht
ohne Liebe; sie allein bringt uns den Vollkommnen näher. - Wäre nur meine
Kapelle schon fertig, dass ich mich in den heißen Augenblicken der Unruhe und
der Sehnsucht, dahin verbergen könnte!
Amanda! ich bin in Verzweiflung! - In meiner Zerstreuung hab' ich vergessen, dem
Boten, der Briefe in die Stadt trägt, diesen Brief an Dich mitzugeben. Das
Aussenbleiben desselben wird Dich beunruhigen, und ich
