 weil Jugendgefühle,
Erinnerungen, mich an sie binden, und ich ehre sie, weil sie unbefangen das ist,
was sie sein kann, und sich für nichts anders gehalten wissen will. -
Verschieden werden die Menschen geboren, und mag doch immer jeder seine
Eigentümlichkeit, - nur in einer schönen Form - zu erhalten suchen! Wie töricht
begehren Manche die unendlich reiche Mannigfaltigkeit der Naturen mit der
flachen Einförmigkeit einer einzigen Form vertauscht zu sehen!
Eduard! Deine Klagen dringen mir ans Herz. Verbanne diese wilde Traurigkeit, die
mich ängstigt; ich verlange, ich fodre es. - Auch ich will ruhiger sein; und bin
es schon. Ich habe Augenblicke, Stunden, wo ich mit gefasstem Gemüt, über unsre
Trennung nachzudenken vermag. - Mühsam suche ich dann alle Gründe hervor, um
Vorteile für Dich darinnen zu finden. Der vorzügliche Mensch, sage ich mir,
soll harmonisch ausgebildet werden; das Gefühl darf nicht die Oberhand
behaupten, nicht das schöne Gleichgewicht verletzen, und dann in allen
Verhältnissen des Lebens, sich eine despotische Herrschaft über die andern
Geisteskräfte, anmaassen. Ach! aber dann fällt es mir schwer aufs Herz, dass wir
das, was in der Zukunft vielleicht noch reifen wird, mit den geliebtesten
Freuden der Gegenwart erkaufen; das Schöne dem Nützlichen, das Freie dem Gesetz
aufopfern, und wie gefallne Engel den hohen Pfad verlassen mussten, der uns,
vereinigt, zu mehr als irdischem Glück und Hoheit führte. - Warum mussten wir so
viel besitzen? - Ach! dem, der einmal den Himmel besaß, dünkt ein gleichgültiger
Zustand schon Verdammung zu sein. - Doch, Eduard! wo gerate ich hin!
    Ich beneide Dich um die Neuheit, das fremde Leben, welches Dich umgibt, wie
Du mich um meine stillen Träume. Jedes hält den Andern für glücklicher, wünscht
sich an seine Stelle, und gönnt ihm doch seine vermeinte, bessere Lage. - Ach! in
dem fremdesten Gewühl, und in der einsamsten Hütte, wird das treue Herz von
Sehnsucht gequält!
    Es beunruhigt mich oft, dass ich Dir nicht öfterer schreiben kann, und dass
meine Briefe Dich erst so spät erreichen. - Ich zittre für jeden Aufschub, und
möchte Dir gern jede Unruhe, jede Sorge ersparen. Zuweilen, Freund, durchfliegt
mich eine himmlische Zuversicht. Weissagend, verheisst mir eine innere Stimme: wir
sind nicht für einander verloren! - Der stille Gang der Schicksale führt uns
wieder zusammen, diese Sehnsucht bleibt nicht ungestillt, aber wenn und wie?
noch weiß ichs nicht! - O! ist nur erst der Schleier des Geheimnisses hinweg
gerollt, der über Deinen Verhältnissen ruht! - Dass er dann bald erscheine, jener
selige Moment des Wiedersehens! - bald
