 hing mit so treuer, warmer Liebe an Dir, und ich war oft
eifersüchtig, wenn - o Bilder, o Erinnerung! -
                                                                      Ganz Dein.
 
                               Zwanzigster Brief
                                Amanda an Eduard
Umwehe mich, Abendluft, und hauche mir Frieden in die beklommene Brust! - Ich
tauche mich in dem kühlenden Luftstrom, ich atme die Düfte der Nacht, aber sie
mildern die Sehnsucht des Herzens nicht. In der Dämmerung, im Lüftchen, im
Blumenduft, überall wohnen Erinnerungen; überall bist Du und bist Du nicht! - O!
dass ich Dich verlieren musste! -
    Es ist unbegreiflich, wie Deine Gegenwart in mein ganzes Leben verschlungen
war. Alles war durch sie geweiht, und allmächtig hauchte sie Leben und
Begeisterung, auch in die gleichgültigsten Dinge. Jetzt tritt mir allenthalben
eine unerträgliche Leerheit entgegen. Gefühllos seh' ich, wie sich die Menschen
um mich her bewegen; gefühllos tue ich, was Andre von mir begehren. Mein Herz
ist tot; mit Dir hat mich mein bessres Selbst verlassen. Und dennoch regt sich in
mir ein unendliches Verlangen nach Glück. Ach! ich hatte es gefunden, und ich
ließ es entfliehen, das einzige Glück, welches für mich blühte! - Eduard! ich
teile Deine jugendlichen Hoffnungen nicht, mir ahnt eine lange, grauenvolle
Trennung. Jetzt erst denke ich: ach! warum reiste ich nicht mit ihm? O! kalte,
unerträgliche Rücksichten, die mich noch jetzt zurückhalten! - Der Mensch denkt
sich oft in seinem Kreise so wichtig, so unentbehrlich, und kaum hat er ihn
verlassen, so sieht er, wie ein andrer ihn leicht, und oft weit besser ausfüllt.
Aber da, wo ein höheres Leben für ihn blüht, wo sein heiligstes Dasein, an dem
göttlichen Hauch harmonischer Freiheit und Liebe, sich mit den schönsten Blüten
entfaltet, die ganze Welt sich seinem Aug' verklärt, und er gut sein muss, weil
ihm alles andre gut erscheint, da ist er an seiner Stelle, da muss er sich, aller
Hindernisse trotzend, ewig zu erhalten suchen.
    Ich fuhr gestern spazieren, und wählte den Weg, den Du gereist bist. Es war
mir, als käme ich Dir näher; ja, einige Augenblicke lang, dauerte die süße
Täuschung, als eilte ich in Deine Arme. Es ward Abend; die Natur lag in ruhigen
Träumen, still und frei vor mir; das graue Bergschloss, das Deinem Gärtchen
gegenüber liegt, lächelte, wehmütig zärtlich in die Abendglut; die Fenster, der
ländlichen, umher zerstreuten Hütten, glänzten Ruhe und Einfalt. Komm, o! komm,
rief ich laut, die Sehnsucht tötet Deine Amanda! - Ach! da zerrann die
Täuschung, und als ich wieder zurück fuhr
