 in jedem Lüftchen, das uns küsste. Das Herz war des Herzens gewiss, jedes
unsrer Worte war voll Geist und Leben, ein hoher Genius trug alles weit über das
Mittelmässige empor. - Ich zwang mich nicht. Was mir ins Herz kam, das sagte, das
tat ich. Ach! wie lange, wie innig hatte ich mich nach einem verwandten Wesen
gesehnt, wie bitter mir die gestrige, verlorne Stunden vorgerückt - jetzt von
der ganzen Natur zur Freude eingeladen, von allem Zwange fern, an seinem Arm,
der heiß ersehnte Augenblick - denk' Dir, was ich empfand!
    Wir kommen wieder unter Menschen. Etwas Unnennbares hatte ihn an mich
gefesselt, hielt ihn ganz an mich gebannt. Die gleichgültigste Kleinigkeit, wie
erhielt sie durch seine Gegenwart ein besonderes, unbeschreibliches Interesse! -
in Allem was wir sprachen, lag ein geheimer Sinn, den der Scharfsinn des Andern
immer leicht und glücklich zu finden wusste; ein zufriedenes Lächeln war dann die
Belohnung. - Ohne Geist, welche traurige Liebe! Aber wenn das Auge von
Begeisterung glänzt, und ein süßes Staunen über die Vorzüge des Geliebten die
Seele erhebt, dann- Himmel! o Entzückung!
    O, Julie! - die süße erfinderische Liebe! - Eben kommt Wilhelm, dessen
Anhänglichkeit an mich sich nicht mindert, und immer stärker zu werden scheint,
zu mir. Ich höre ihn hastig die Treppe herauf springen; die Mutter hält ihn auf;
fragt, wo er die schönen Blumen her habe? Gefunden, ruft er dreist und schnell,
macht sich los und schlüpft zu mir herein. Er hält mir einen großen, mahlerisch
schönen Rosenzweig, mit voll entfalteten und noch halb geschlossnen Blüten
entgegen, und aus der kleinen festgeschlossnen Hand zieht er ein feines Blatt
Papier hervor, das in leicht geschriebenen Zügen, folgendes enthält: »Ein
reizender Knabe spielt an meinem Garten. Sein Anblick erfreut mich; ich finde
Mittel ihn gesprächig zu machen, und erfahre, dass er in Amanda's Nähe lebt, dass
er sie liebt- wie könnt' er anders? - Ich breche die schönsten Rosen meines
Gartens; wie ihr Duft umschwebt mich das Andenken an die schönsten Tage, aber
wie ihr Stachel, verwundet mich der Zweifel, ob sie auch je wiederkehren? - Bote
der Liebe! bringe sie der Gebieterin, und wenn ihr der Duft gefällt, wenn sie
den Zweifel zu heben würdigte, vielleicht durch Dich - o! dann eile schneller
als ein Gott und segnender, zu dem Sehnsuchtsvollen zurück!« O! wie schmeichelt
dieser Duft, dieses Geschenk der Liebe aus eines Amors Hand - wie mich die Nähe
des Gottes ergreift!
    Der Kleine hat mir noch vieles von dem schönen, jungen Mann erzählt
