 Eduard wünschte, war unsre Trauung;
hier ward auch für Andre der Bund bestätigt, den Neigung, Vertrauen, Phantasie
und Wahrheit, nur selten so schön schlingen, der Bund, der - ich glaube es fest
- nur selten in seiner wahren Bedeutung und Reinheit, zwei so glückliche Seelen
verband. - O! Julie, so war es keine Täuschung? kein vergänglicher Wahn der
Jugend? - Nein! es gibt Ahndungen, die durch das Leben gehen! - Sie sind die
Stimmen eines höheren Geistes, der in uns wohnt, und das ergebne Gemüt vernimmt
sie, und folgt ihnen! -- Ich muss weinen, Julie, denn ich bin zu glücklich.
Welche Tage hab' ich verlebt, welche erschütternde Szenen! - Ich will Dir es
schildern, so lange es mir die heftige Bewegung, in der ich noch bin,
verstattet.
    Ich halte mich für krank, so lang ich allein bin, aber kaum seh ich Eduard,
so fühl' ich keine Schmerzen mehr.
    Wir hatten beschlossen, in Gesellschaft einiger Freunde, eines der
merkwürdigsten Gebirge dieser Gegend zu besteigen. Zwar fühlte ich vorher,
einige Anwandlung von Krankheit, doch verbarg ich sie vor den andern und vergaß
sie über den Freuden und der wohltätigen Anspannung der Reise bald selbst. Wir
hatten uns mit allem versehen, was uns die Beschwerlichkeiten des Wegs versüßen
konnte; unsre Begleitung war munter und jovialisch und die mannichfaltigen
Genüsse und Freuden unsrer Unternehmung ließ uns die Mühseligkeiten derselben,
gänzlich vergessen, obgleich diese, ich gestehe Dir's gern, nicht unbedeutend
waren. Oft musste ich mich sorgfältig hüten, irgend einen neugierigen oder
ängstlichen Blick in die schaudervolle Tiefe an meiner Seite hinunter zu tun,
weil ich dann schwindelnd, leicht dem Blick selbst, hätte folgen können, und
beinah schien es mir unmöglich, die letzten steilen Pfade, die zum Gipfel
führten, hinauf zu klimmen. Doch tat ich es mit Anstrengung aller Kräfte. Und
als ich nun oben stand, und alle Berge entschleiert, alle Täler entnebelt, und
die zahllos um mich verbreiteten Wunder sah, da fand ich mehr, als die reichste
Entschädigung. Keine Sprache vermag die Empfindungen des Erstaunens, des
Entzückens und des Entsetzens auszusprechen, die durch diese Aussicht erregt
wurden, und keine Kunst das unermessliche Naturgemälde zu fassen, das hier nach
allen Seiten hin, sich ausbreitet. - Eduard und ich erinnerten uns jetzt
lebhafter als je, aller Szenen unsers ehemaligen Umgangs, jedes
gemeinschaftlichen Genusses der Natur, jeder einsamen und geselligen Freude, und
sahen nun mit inniger Begeisterung, wie das Schicksal uns jede vormalige Freude,
nun freier, romantischer, feuriger und begeisternder wiedergab.
    Als wir zurückgiengen - o Julie! wie werde ich Dir das schildern können
