 Tages war er traurig ausgegangen, er kam nicht wieder und die
Nacht brach ein. Wir waren seinetwegen sehr in Sorgen; auf einmal, wie des
Morgens Dämmerung kam, hörten wir in einem nahen Haine seine Stimme. Er sang ein
hohes, frohes Lied; wir wunderten uns alle; der Lehrer sah mit einem Blick nach
Morgen, wie ich ihn wohl nie wieder sehen werde. In unsre Mitte trat er bald,
und brachte, mit unaussprechlicher Seligkeit im Antlitz, ein unscheinbares
Steinchen von seltsamer Gestalt. Der Lehrer nahm es in die Hand, und küsste ihn
lange, dann sah er uns mit nassen Augen an und legte dieses Steinchen auf einen
leeren Platz, der mitten unter andern Steinen lag, gerade wo wie Strahlen viele
Reihen sich berührten.
    Ich werde dieser Augenblicke nie fortan vergessen. Uns war, als hätten wir
im Vorübergehn eine helle Ahndung dieser wunderbaren Welt in unsern Seelen
gehabt.
    Auch ich bin ungeschickter als die Andern, und minder gern scheinen sich die
Schätze der Natur von mir finden zu lassen. Doch ist der Lehrer mir gewogen, und
lässt mich in Gedanken sitzen, wenn die Andern suchen gehen. So wie dem Lehrer ist
mir nie gewesen. Mich führt alles in mich selbst zurück. Was einmal die zweite
Stimme sagte, habe ich wohl verstanden. Mich freuen die wunderlichen Haufen und
Figuren in den Sälen, allein mir ist, als wären sie nur Bilder, Hüllen, Zierden,
versammelt um ein göttlich Wunderbild, und dieses liegt mir immer in Gedanken.
Sie such' ich nicht, in ihnen such' ich oft. Es ist, als sollten sie den Weg mir
zeigen, wo in tiefem Schlaf die Jungfrau steht, nach der mein Geist sich sehnt.
Mir hat der Lehrer nie davon gesagt, auch ich kann ihm nichts anvertrauen, ein
unverbrüchliches Geheimnis dünkt es mir. Gern hätt ich jenes Kind gefragt, in
seinen Zügen fand ich Verwandtschaft; auch schien in seiner Nähe mir alles
heller innerlich zu werden. Wäre es länger geblieben, sicherlich hätte ich mehr
in mir erfahren. Auch wäre mir am Ende vielleicht der Busen offen, die Zunge
frei geworden. Gern wär' ich auch mit ihm gegangen. Es kam nicht so. Wie lang'
ich hier noch bleibe, weiß ich nicht. Mir scheint es, als blieb' ich immer hier.
Kaum wag' ich es mir selber zu gestehen, allein zu innig dringt sich mir der
Glauben auf: einst find' ich hier, was mich beständig rührt; sie ist zugegen.
Wenn ich mit diesem Glauben hier umher gehe, so tritt mir alles in ein höher
Bild, in eine neue Ordnung mir zusammen, und alle sind nach Einer Gegend hin
gerichtet.
