 innere
Musik der Natur verstände, und einen Sinn für äußere Harmonie hätte. Aber er
weiß ja kaum, dass wir zusammen gehören, und keins ohne das andere bestehen kann.
Er kann nichts liegen lassen, tyrannisch trennt er uns und greift in lauter
Dissonanzen herum. Wie glücklich könnte er sein, wenn er mit uns freundlich
umginge, und auch in unsern großen Bund träte, wie ehemals in der goldnen Zeit,
wie er sie mit Recht nennt. In jener Zeit verstand er uns, wie wir ihn
verstanden. Seine Begierde, Gott zu werden, hat ihn von uns getrennt, er sucht,
was wir nicht wissen und ahnden können, und seitdem ist er keine begleitende
Stimme, keine Mitbewegung mehr. Er ahndet wohl die unendliche Wollust, den
ewigen Genuss in uns, und darum hat er eine so wunderbare Liebe zu Einigen unter
uns. Der Zauber des Goldes, die Geheimnisse der Farben, die Freuden des Wassers
sind ihm nicht fremd, in den Antiken ahndet er die Wunderbarkeit der Steine, und
dennoch fehlt ihm noch die süße Leidenschaft für das Weben der Natur, das Auge
für unsre entzückenden Mysterien. Lernt er nur einmal fühlen? Diesen
himmlischen, diesen natürlichsten aller Sinne kennt er noch wenig: durch das
Gefühl würde die alte, ersehnte Zeit zurückkommen; das Element des Gefühls ist
ein inneres Licht, was sich in schöner'n, kräftiger'n Farben bricht. Dann gingen
die Gestirne in ihm auf, er lernte die ganze Welt fühlen, klärer und
mannichfaltiger, als ihm das Auge jetzt Grenzen und Flächen zeigt. Er würde
Meister eines unendlichen Spiels und vergässe alle törichten Bestrebungen in
einem ewigen, sich selbst nährenden und immer wachsenden Genuße. Das Denken ist
nur ein Traum des Fühlens, ein erstorbenes Füh[l]en, ein blassgraues, schwaches
Leben.
Wie sie so sprachen, strahlte die Sonne durch die hohen Fenster, und in ein
sanftes Säuseln verlor sich der Lärm des Gesprächs; eine unendliche Ahndung
durchdrang alle Gestalten, die lieblichste Wärme verbreitete sich über alle, und
der wunderbarste Naturgesang erhob sich aus der tiefsten Stille. Man hörte
Menschenstimmen in der Nähe, die großen Flügeltüren nach dem Garten zu wurden
geöffnet, und einige Reisende setzten sich auf die Stufen der breiten Treppe, in
den Schatten des Gebäudes. Die reitzende Landschaft lag in schöner Erleuchtung
vor ihnen, und im Hintergrunde verlor sich der Blick an blauen Gebirgen hinauf.
Freundliche Kinder brachten mannichfaltige Speisen und Getränke, und bald begann
ein lebhaftes Gespräch unter ihnen.
    Auf alles, was der Mensch vornimmt, muss er seine ungeteilte Aufmerksamkeit
oder sein Ich richten, sagte endlich der Eine, und wenn er dieses getan hat, so
entstehn bald Gedanken, oder eine neue Art von Wahrnehmungen, die nichts
