. Es scheint
ihm jede Recht zu haben, und eine sonderbare Verwirrung bemächtigt sich seines
Gemüts. Allmählig legt sich der innere Aufruhr, und über die dunkeln sich an
einander brechenden Wogen scheint ein Geist des Friedens heraufzuschweben,
dessen Ankunft sich durch neuen Mut und überschauende Heiterkeit in der Seele
des Jünglings ankündigt.
    Ein muntrer Gespiele, dem Rosen und Winden die Schläfe zierten, kam
herbeigesprungen, und sah ihn in sich gesenkt sitzen. Du Grübler, rief er, bist
auf ganz verkehrtem Wege. So wirst du keine großen Fortschritte machen. Das
Beste ist überall die Stimmung. Ist das wohl eine Stimmung der Natur? Du bist
noch jung und fühlst du nicht das Gebot der Jugend in allen Adern? nicht Liebe
und Sehnsucht deine Brust erfüllen? Wie kannst du nur in der Einsamkeit sitzen?
Sitzt die Natur einsam? Den Einsamen flieht Freude und Verlangen: und ohne
Verlangen, was nützt dir die Natur? Nur unter Menschen wird er einheimisch, der
Geist, der sich mit tausend bunten Farben in all deine Sinne drängt, der wie
eine unsichtbare Geliebte dich umgibt. Bei unsern Festen löst sich seine Zunge,
er sitzt oben an und stimmt Lieder des fröhlichsten Lebens an. Du hast noch
nicht geliebt, du Armer; beim ersten Kuss wird eine neue Welt dir aufgetan, mit
ihm fährt Leben in tausend Strahlen in dein entzücktes Herz. Ein Märchen will
ich dir erzählen, horche wohl.
Vor langen Zeiten lebte weit gegen Abend ein blutjunger Mensch. Er war sehr gut,
aber auch über die Maassen wunderlich. Er grämte sich unaufhörlich um nichts und
wieder nichts, ging immer still für sich hin, setzte sich einsam, wenn die
Andern spielten und fröhlich waren, und hing seltsamen Dingen nach. Höhlen und
Wälder waren sein liebster Aufenthalt, und dann sprach er immer fort mit Tieren
und Vögeln, mit Bäumen und Felsen, natürlich kein vernünftiges Wort, lauter
närrisches Zeug zum Todtlachen. Er blieb aber immer mürrisch und ernstaft,
ungeachtet sich das Eichhörnchen, die Meerkatze, der Papagay und der Gimpel alle
Mühe gaben ihn zu zerstreuen, und ihn auf den richtigen Weg zu weisen. Die Gans
erzählte Märchen, der Bach klimperte eine Ballade dazwischen, ein großer dicker
Stein machte lächerliche Bockssprünge, die Rose schlich sich freundlich hinter
ihm herum, kroch durch seine Locken, und der Epheu streichelte ihm die
sorgenvolle Stirn. Allein der Missmut und Ernst waren hartnäckig. Seine Eltern
waren sehr betrübt, sie wussten nicht was sie anfangen sollten. Er war gesund und
aß, nie hatten sie ihn beleidigt, er war auch bis vor wenig Jahren fröhlich und
lustig gewesen, wie keiner; bei allen Spielen voran, von allen Mädchen gern
gesehen. Er war recht bildschön, sah
