 frei und fröhlich war, wie
vordem. Nichts war übriggeblieben, als ein stilles inniges Sehnen und ein
wehmütiger Klang im Aller Innersten. Aber die wilden Qualen der Einsamkeit, die
herbe Pein eines unsäglichen Verlustes, die trübe, entsezliche Leere, die
irrdische Ohnmacht war gewichen, und der Pigrimm sah sich wieder in einer
vollen, bedeutsamen Welt. Stimme und Sprache waren wieder lebendig bei ihm
geworden und es dünkte ihm nunmehr alles viel bekannter und weissagender, als
ehemals, so dass ihm der Tod, wie eine höhere Offenbarung des Lebens, erschien,
und er sein eigenes, schnellvorübergehendes Dasein mit kindlicher, heiterer
Rührung betrachtete. Zukunft und Vergangenheit hatten sich in ihm berührt und
einen innigen Verein geschlossen. Er stand weit außer der Gegenwart und die Welt
ward ihm erst teuer, wie er sie verloren hatte, und sich nur als Fremdling in
ihr fand, der ihre weiten, bunten Säle noch eine kurze Weile durchwandern
sollte. Es war Abend geworden, und die Erde lag vor ihm, wie ein altes, liebes
Wohnhaus, was er nach langer Entfernung verlassen wiederfände. Tausend
Errinnerungen wurden ihm gegenwärtig. Jeder Stein, jeder Baum, jede Anhöhe
wollte wiedergekannt sein. Jedes war das Merkmal einer alten Geschichte.
    Der Pilger ergriff seine Laute und sang:
                                       1
Liebeszähren, Liebesflammen
Fliesst zusammen;
Heiligt diese Wunderstätten,
Wo der Himmel mir erschienen,
Schwärmt um diesen Baum wie Bienen
In unzähligen Gebeten.
                                       2
Er hat froh sie aufgenommen
Als sie kommen,
Sie geschüzt vor Ungewittern;
Sie wird einst in ihrem Garten
Ihn begiessen und ihn warten,
Wunder tun mit seinen Splittern.
                                       3
Auch der Felsen ist gesunken
Freudentrunken
Zu der selgen Mutter Füßen.
Ist die Andacht auch in Steinen
Sollte da der Mensch nicht weinen
Und sein Blut für sie vergießen?
                                       4
Die Bedrängten müssen ziehen
Und hier knieen,
Alle werden hier genesen.
Keiner wird fortan noch klagen
Alle werden fröhlich sagen:
Einst sind wir betrübt gewesen.
                                       5
Ernste Mauern werden stehen
Auf den Höhen.
In den Tälern wird man rufen
Wenn die schwersten Zeiten kommen,
Keinem sei das Herz beklommen,
Nur hinan zu jenen Stufen.
                                       6
Gottes Mutter und Geliebte
Der Betrübte
Wandelt nun verklärt von hinnen.
Ewge Güte, ewge Milde,
O! ich weiß du bist Matilde
Und das Ziel von meinen Sinnen.
                                       7
Ohne mein verwegnes Fragen
Wirst mir sagen,
Wenn ich zu dir soll gelangen.
Gern will ich in tausend Weisen
Noch der Erde Wunder preisen,
Bis du kommst mich zu umfangen.
                                       8
Alte Wunder, künftige Zeiten
Seltsamkeiten,
Weichet nie aus meinem Herzen.
Unvergesslich sei die Stelle,
Wo des Lichtes heilge Quelle
Weggespült den Traum der Schmerzen.
Unter seinem Gesang war er nichts gewahr worden. Wie er aber aufsah,
