 wo ich bin, wirst du sein. - Ja wo du bist, Matilde,
werd' ich ewig sein. - Ich begreife nichts von der Ewigkeit, aber ich dächte,
das müsste die Ewigkeit sein, was ich empfinde, wenn ich an dich denke. - Ja
Matilde, wir sind ewig weil wir uns lieben. - Du glaubst nicht Lieber, wie
inbrünstig ich heute früh, wie wir nach Hause kamen, vor dem Bilde der
himmlischen Mutter niederkniete, wie unsäglich ich zu ihr gebetet habe. Ich
glaubte in Tränen zu zerfließen. Es kam mir vor, als lächelte sie mir zu. Nun
weiß ich erst was Dankbarkeit ist. - O Geliebte, der Himmel hat dich mir zur
Verehrung gegeben. Ich bete dich an. Du bist die Heilige, die meine Wünsche zu
Gott bringt, durch die er sich mir offenbart, durch die er mir die Fülle seiner
Liebe kund tut. Was ist die Religion, als ein unendliches Einverständnis, eine
ewige Vereinigung liebender Herzen? Wo zwei versammelt sind, ist er ja unter
ihnen. Ich habe ewig an dir zu atmen; meine Brust wird nie aufhören dich in
sich zu ziehen. Du bist die göttliche Herrlichkeit, das ewige Leben in der
lieblichsten Hülle. - Ach! Heinrich, du weißt das Schicksal der Rosen; wirst du
auch die welken Lippen, die bleichen Wangen mit Zärtlichkeit an deine Lippen
drücken? Werden die Spuren des Alters nicht die Spuren der vorübergegangenen
Liebe sein? - O! könntest du durch meine Augen in mein Gemüt sehen! aber du
liebst mich und so glaubst du mir auch. Ich begreife das nicht, was man von der
Vergänglichkeit der Reitze sagt. O! sie sind unverwelklich. Was mich so
unzertrennlich zu dir zieht, was ein ewiges Verlangen in mir geweckt hat, das
ist nicht aus dieser Zeit. Könntest du nur sehen, wie du mir erscheinst, welches
wunderbare Bild deine Gestalt durchdringt und mir überall entgegen leuchtet, du
würdest kein Alter fürchten. Deine irdische Gestalt ist nur ein Schatten dieses
Bildes. Die irdischen Kräfte ringen und quellen um es festzuhalten, aber die
Natur ist noch unreif; das Bild ist ein ewiges Urbild, ein Teil der unbekannten
heiligen Welt. - Ich verstehe dich, lieber Heinrich, denn ich sehe etwas
Ähnliches, wenn ich dich anschaue. - Ja Matilde, die höhere Welt ist uns näher,
als wir gewöhnlich denken. Schon hier leben wir in ihr, und wir erblicken sie
auf das Innigste mit der irdischen Natur verwebt. - Du wirst mir noch viel
herrliche Sachen offenbaren, Geliebtester. - O! Matilde, von dir allein kommt
mir die Gabe der Weissagung. Alles ist ja dein, was ich habe;
