 einem Strom des Himmels weggetragen. Ein
solcher Gesang war nie vernommen worden, und Alle glaubten, ein himmlisches
Wesen sei unter ihnen erschienen, besonders da der Jüngling unterm Singen immer
schöner, immer herrlicher, und seine Stimme immer gewaltiger zu werden schien.
Die Luft spielte mit seinen goldenen Locken. Die Laute schien sich unter seinen
Händen zu beseelen, und sein Blick schien trunken in eine geheimere Welt hinüber
zu schauen. Auch die Kinderunschuld und Einfalt seines Gesichts schien allen
übernatürlich. Nun war der herrliche Gesang geendigt. Die bejahrten Dichter
drückten den Jüngling mit Freudentränen an ihre Brust. Ein stilles inniges
Jauchzen ging durch die Versammlung. Der König kam gerührt auf ihn zu. Der
Jüngling warf sich ihm bescheiden zu Füßen. Der König hob ihn auf, umarmte ihn
herzlich, und hieß ihn sich eine Gabe ausbitten. Da bat er mit glühenden Wangen
den König, noch ein Lied gnädig anzuhören, und dann über seine Bitte zu
entscheiden. Der König trat einige Schritte zurück und der Fremdling fing an:
Der Sänger geht auf rauen Pfaden,
Zerreisst in Dornen sein Gewand;
Er muss durch Fluss und Sümpfe baden,
Und keins reicht hilfreich ihm die Hand.
Einsam und pfadlos fließt in Klagen
Jetzt über sein ermattet Herz;
Er kann die Laute kaum noch tragen,
Ihn übermannt ein tiefer Schmerz.
                                       *
Ein traurig Loos ward mir beschieden,
Ich irre ganz verlassen hier,
Ich brachte Allen Lust und Frieden,
Doch keiner teilte sie mit mir.
Es wird ein jeder seiner Habe
Und seines Lebens froh durch mich;
Doch weisen sie mit karger Gabe
Des Herzens Forderung von sich.
                                       *
Man lässt mich ruhig Abschied nehmen,
Wie man den Frühling wandern sieht;
Es wird sich keiner um ihn grämen,
Wenn er betrübt von dannen zieht.
Verlangend sehen sie nach den Früchten,
Und wissen nicht, dass er sie sät;
Ich kann den Himmel für sie dichten,
Doch meiner denkt nicht Ein Gebet.
                                       *
Ich fühle dankbar Zaubermächte
An diese Lippen festgebannt.
O! knüpfte nur an meine Rechte
Sich auch der Liebe Zauberband.
Es kümmert keine sich des Armen,
Der dürftig aus der Ferne kam;
Welch Herz wird Sein sich noch erbarmen
Und lösen seinen tiefen Gram?
                                       *
Er sinkt im hohen Grase nieder,
Und schläft mit nassen Wangen ein;
Da schwebt der hohe Geist der Lieder
In die beklemmte Brust hinein:
Vergiss anjetzt, was du gelitten,
In Kurzem schwindet deine Last,
Was du umsonst gesucht in Hütten,
Das wirst du finden im Palast.
                                       *
Du nahst dem höchsten Erdenlohne,
Bald endigt der verschlungne Lauf;
Der Myrtenkranz wird eine Krone,
Dir setzt die treuste Hand sie auf.
Ein Herz voll Einklang ist berufen
Zur Glorie um einen Thron;
