 mich, fasste meine Hand, dann wendete er sich zu Tilien
und sang:
Mild, mild
Von Liebe, schwillt
Des Mannes Brust;
Von Liebe schwillt
Auch Tiliens Brust.
Lust, Lust,
Ganz stille Lust,
Ihr unbewusst.
Sonst war der Liebe
Stille im Herzen bang,
Bis sie zum Auge drang
Und von der Lippe klang,
Ihr Spiel sie triebe.
Liebestrieb!
Im Mondschein,
Ganz allein
Will sie bei ihm sein.
Fürchtet euch nicht,
Mondeslicht
So freundlich spricht.
Hier ließ er mich los und eilte in den Wald. Tilie rief ihm nach:
    »Eusebio! Eusebio! verspäte dich nicht« -
    Aber der Knabe war verschwunden, und das Echo rief aus dem Walde zurück:
    - Verspäte dich nicht!
    Tilie wendete sich zu mir und sprach:
Ich weiß nicht, was in diesem Knaben webet,
Je mehr er fasst, je mehr verschließt er sich,
Und sollte doch stets reicher auch mehr geben,
So wie Natur, die immer mehr uns bietet,
Je mehr sie Reichtum im dem Schoße fasst.
Wie rührt mich nicht des Frühlings Kindergabe,
Der, kaum des Winters hartem Geiz entflohen,
Schon freundlich grüne Sprossen bringt und Blumen.
Er trägt ein Kleid von dünnem Glanz gewebet,
Und sieht mit lindem Sonnenschein uns an,
Und weckt mit süßen Liedern alle Wesen.
Steht ihm auch gleich die Träne noch im Auge,
Die ihm des harten Winters Frost entlocket,
Und zittert gleich sein zarter Leib von Kälte,
Weil ihn so dünn der strenge Vater kleidet,
So regt er doch zum Tanze und zur Arbeit
Mit leichtem Flug die neugebornen Glieder.
Er schürzet sich, blickt in den festen Spiegel,
Der aller Flüsse wandelnd Leben decket,
Und unter seinem heißen Blicke springet
Der zarten Nymphen und Sirenen Fessel;
Sie fassen dankbar seiner Jugend Schöne
Und eilen, sie in alle Welt zu tragen,
Und tragen sie hinab durch alle Täler.
Mit seinem frohen Bilde kindisch spielend,
Entzünden sie zu seinem Dienst die Ufer,
Durch die sie wollustmurmelnd freudig gehen;
Die Blumen all, die an dem Rande stehen,
Sie winken still hinab, ihr zitternd Bild begrüssend.
Er schwebet liebend über tote Wälder,
Die bang mit kalten Armen aufwärtslangen,
Da zündet er den Wald mit grünen Flammen,
Und alle Blätter küssen sich so lieb zusammen,
Und blicken still, das Götterkind zu fangen.
So sprach Tilie noch lange vom Leben und Geben, und wahrlich, sie gibt alles,
könnte ich nur alles nehmen; aber da wohnt eine unausstehliche Sparsamkeit in
mir, die man immer in eurer ärmlichen Haushaltung von Leben davonträgt.
    Dann stand sie auf und sprach:
Der Name Reichtum kommt allein von reichen;
Hinreichen sollen wir das Eigen; allen,
Die
