 das
Leben uns gewaltsam zurückzieht. - Aber nimmer lernen sie, zu fühlen, dass selbst
der Tod nur eine solche Trauer des Kindes über das genommene Spiel ist. - Wir
sterben auch im Leben, nur sind die Übergänge sichtbarer, oder ganz unsichtbar,
und immer gebärt uns die Liebe wieder. Ich fühle, dass ich in einer andern Welt
bin, und ein Kind; wenige werden ja mehr als Kinder in der Liebe, und Kinder in
der Kunst; es sind die, welche für die Zurückgebliebenen schon Meister in beiden
scheinen.
    Sieh, Römer! ich habe alles vergessen, und wenn ich dich auch einmal
vergesse, so weine nicht, denke, dass dann noch ein Leben zwischen uns liegt.
Willst du mich aber übereilen, so will ich dir dasselbe tun; wohl uns, wenn wir
gleiche Schritte gehen, und ewig jeder neben dem Freunde.
    Fern liegt mir die vergangene Zeit, nur was mir damals in Dunkelheit gehüllt
bang vor den Augen schwankte, was mit der wundersüssen fremden milden Sprache der
Sehnsucht in tiefen Stunden neben mir erklang, was mit unendlicher Gewalt mich
in schwindelnde augenblickliche Höhe warf, steht jetzt hell, verständlich und mit
gleicher Stärke neben mir. Es waren damals kühne Minuten meiner Zukunft, die
sich in meine Gegenwart wagten, und jetzt wie bekannte Freunde neben mir stehen.
    Ich denke nie zurück, auch wenn ich etwas von dorther sehe, so ist es
Nordschein, oder Blitz, der die Jugend erleuchtet, und wahrlich, ich kann solche
Erinnerungen wehmütig anblicken, die wie verspätete Worte verstorbener Sprachen
um mich wandeln, und nur in den tieferen Narben meiner Wunden eine Heimat finden.
    Nur dann sind wir glücklich, wenn wir nicht wissen, wie wir es sind, wenn
wir geboren sind und Kinder. Wenn wir jeden Mechanismus eines Lebens ergründen
wollen, so sind wir zum Tode reif, und kennen wir ihn, so sind wir vorüber; denn
dann ist das Leben mit uns selbst zusammengeflossen, und ist nicht mehr, und
jedes heftige unwillkürliche Begehren in uns ist Sehnsucht nach dem Tode, wie
jede willkürliche Begierde die Meditation des Selbstmordes ist.
    Vollkommenes Gleichgewicht der Natur in uns und außer uns, soviel Streben
als Erlangen, soviel Geben als Umfangen ist die Minute des Entzückens der Liebe,
und die tätigste, wo nicht vollendetste des Daseins. Wer je einen solchen Moment
in sich fühlt, der winde ihn sanft und rasch, mit Begeisterung, aus dem Gewirre
seiner Wünsche; denn dies ist sein Glück, seine Bestimmung und all sein Talent.
    So ist es mir geworden!
    Die Dämmerung lag zwischen dem Streben und der Vollendung, der glühende Tag,
im Feuer des Lichtes zu seiner eignen Gestalt geschmiedet, verglimmte in die
dunkle Nacht
