
schon unkenntliche Punkte über mir, und die Welt unermesslich groß unter mir
geworden, als die Liebe zu mir sagte. »O hebe dein Haupt, Jüngling, sieh, wie
weit sind die Sterne und wie leuchtend, deine Pläne sind noch viel näher, und
wir sehen sie nicht mehr.«
    Alles ist mir entschwunden, dem ich sonst ein Spiel war. Die Welt ist von
mir gesprungen, wie eine Form, die nun ein reines Bild gebar, ach! ich werde es
nun nicht mehr beklagen, da ich nun so lieblich begrenzt bin. Das Leben ist hier
oben so mild widerstrebend, und ich fühle, dass ich am Busen der Natur in einer
elastischen Ruhe des Geniessens liege. Mein ganzes verflossenes Leben liegt in
ungestalten, farbenlosen Massen hinter mir. Das alles sollte ein ungeheurer
Tempel werden, und sank vor dem Himmelsbogen erbebend in den Willen eines Kindes
zusammen. Ich stehe an meinem vorigen Leben wie an einem Hügel unordentlich
gesammelter Steine, die eher zur Ruine wurden als zum Gebäude, und bin
zufrieden, wenn nur eine wilde einsame Blume an ihm aufblüht. Vor mir wird alles
so deutlich, so groß im kleinsten, und ein ewiger Spiegel. Kein Geist tritt auf,
den das Wort nicht reichlich, geschmeidig und durchsichtig bekleidet, kein
Vorsatz schreitet ruhmsüchtig mit eitlem Klange vor der bescheidenen Tat her,
ich finde mich in allem, und der Liebe.
    Ach wie braucht es doch so wenig, um zu vergessen, so wenig, unser Dasein
wenige Schritte vorher selbst zu übersehen. Gleichen die Menschen nicht Kindern,
die jedes Spielzeug mit Begierde umfassen, sich mit ihrem ganzen Verstande
darüber hinwerfen und heftig weinen, wenn es ihnen genommen wird? Doch schnell
erholen sie sich, und das neue, das man ihnen hingibt, ist das wahre, nun haben
sie's endlich gefunden, was sie wünschten. So wechseln sie immer, und endlich
löst sich das ganze Spiel von ihnen. Wir wissen nicht, was der liebe Bruder nun
vornimmt, wir kennen den Ort nicht, an den er geführt wird, und was er nun
erhalten wird, um die äussre Natur von sich zurückzudrängen, damit er nicht in
sie zerrinnt. Wir werfen das Spielzeug aus den Händen, und knieen um das Kleid
herum, das er trug, als er bei uns war, »wohin bist du? dass dies schöne Kleid
nicht der Mühe wert war«, und kühle Erde umfasst den engen Schrein, der seine
Hülle versteckt. Wir glauben, um den Toten zu weinen, aber wir weinen um den
Tod, wir empfinden den Schmerz, weil unsre Seele aufwärtsblickt, der Linie nach,
die unser Freund nach dem Ziele unsrer Bestimmung gezogen hat, und weil
