
die Schwäche der Maschine und die Tyrannei des Hebels nicht sieht, den mein
Körper so ungeschickt zwischen mich und meine Äußerung hinlegt; und doch ist
dieses Stammeln, dieser Kampf zwischen Wollen und Können ein Muss, dem der Vorzug
einzelner Töne vor einer weiten stillen Öde wenig Reiz gibt, denn der Starke
ist lieber tot, als er tändelt.
    Doch spiele ich, ich spielte anfangs fremde Erfindung. Das dauerte nicht
lange, es war mir, als schriebe ich an die ferne Welt, um an der
Unzulänglichkeit schuldlos zu sein, aus einem Briefbuche ab, und schämte mich.
Als mich mein Freund begleitete, fand ich in dem Einstimmen seiner Flöte in
meine Akkorde wenigstens das scheinbare freie Schaffen der Liebe zu ähnlichen
Gegengenüssen, wie das Schachspiel ein geistreiches Gespräch scheinen kann. Wer
seine Flötenuhr akkompagniert, oder mit sich selbst Schach spielen mag, der muss
mehr Kraft als Stoff haben, und das habe ich nicht. - Ich phantasierte, und
sprach mich ganz aus, aber bald hemmte mich die sonderbare Empfindung, ich würde
selbst ein wildes gestaltloses Lied, das ewig aus sich selbst ringt, und nie
wieder in sich zurückkehrt: dies war mir schrecklich, ich erschien mir wie eine
kalte Bildsäule, die in der fortstrebendsten Leidenschaft ewig ruht, ohne Ruhe
zu sein, und auch dies war fürchterlich. - Habe ich denn nichts, wenn man mir
nichts gibt, und bin ich denn nichts, wenn ich nicht durch die Augen eines
andern gesehen werde? Kein Genuss ohne Auswechselung; ich hatte gesungen, und
niemand hatte mich gehört. Der Ton, der nicht gehört wird, ist nicht da, ich
hörte mich nicht mehr, denn ich sang mich.
    Ich sang dann in öffentlichen Konzerten und berauschte mich in der
allgemeinen Stille. Es war keine Eitelkeit, es war das Gefühl, als breite ich
mich über alle aus, mit weiten tausendfachen Armen, indem ich mich aus mir
selbst in eine große Höhe verfolgte, und wenn ich mich in diesem Zustande in
einem Bilde aussprechen sollte, so war ich der Strahl eines Springbrunnens, der
aus der Mitte eines Bassins emporsteigt, sich in den Sonnenstrahlen spiegelt,
und wieder zurückfällt. Es freute mich, dass ich Reize genug besitze, mir selbst
alles geben zu wollen, und doch noch die Menge zu rühren. Da aber ihr Beifall im
Händeklatschen über mich herfiel, war der schöne Traum geweckt. Sie schienen mit
Gewalt aus sich herauspochen zu wollen, was ich in sie hineingesungen hatte. Die
Männer hatten allein geklatscht, ich verachte die Galanterie wie gemachte
Blumen, und will keinem mehr gefallen. Der scheinbare Umriss der Musik, sein
ewiger Wechsel, und dabei doch die Sklaverei gewisser Verwandtschaften, Fesseln,
denen man nie entgeht
